Antwort
Weil die Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems selten allein auftreten und weil jede Wirkstoffgruppe einen eigenen, nachgewiesenen Beitrag leistet, den keine andere ersetzt.
Ein typischer Patient nach Herzinfarkt mit Bluthochdruck und Diabetes bekommt:
ASS — gegen die Thrombenbildung auf der Plaque;
ein Statin — zur Senkung des LDL und zur Stabilisierung der Plaque;
einen Betablocker — zur Entlastung des Herzens;
einen ACE-Hemmer oder ein Sartan — gegen den Umbau des Herzmuskels und zum Schutz der Niere;
Metformin und je nach Lage einen SGLT2-Hemmer;
einen Protonenpumpenhemmer, wenn Magenschutz nötig ist.
Das sind sechs Wirkstoffe, und keiner davon ist überflüssig. Polymedikation ist hier nicht Nachlässigkeit, sondern Leitlinie — das ist die Antwort, die ein Prüfer hören will.
Beratung
Zugleich ist genau dieser Patient der, bei dem die Apotheke am meisten leisten kann:
Er erfüllt das Kriterium der Polymedikation — fünf und mehr Dauerarzneimittel — und hat damit Anspruch auf die erweiterte Medikationsberatung als abrechenbare pharmazeutische Dienstleistung.
Er hat Anspruch auf einen Medikationsplan ab drei Dauerarzneimitteln.
Worauf Sie bei ihm achten:
Doppelverordnungen — etwa ein ACE-Hemmer und ein Sartan nebeneinander, oder ein Wirkstoff einmal als Einzelpräparat und einmal in einer Fixkombination.
Die Selbstmedikation: keine NSAR, keine abschwellenden Schnupfenmittel, kein Johanniskraut.
Die Nierenfunktion, an der mehrere Dosierungen hängen.
Die Einnahmezeitpunkte — Diuretikum morgens, kurz wirksames Statin abends, Rivaroxaban zum Essen, Bisphosphonat nüchtern.
Die Therapietreue: Fixkombinationen, eine Wochenbox, ein aktueller Plan.
Und die Frage, mit der jedes gute Gespräch beginnt: „Wie nehmen Sie das eigentlich?“ — nicht: „Wie sollen Sie das nehmen?“
Merke
Sechs Wirkstoffe sind hier Leitlinie, nicht Nachlässigkeit — und der Anlass für die Medikationsanalyse.