Antwort
Aus drei Gründen, die zusammen den Rückzug erklären:
Sie verlängern das Leben nicht. Große Studien haben gezeigt, dass Digoxin zwar Beschwerden lindert und Krankenhausaufenthalte verringert, die Sterblichkeit aber nicht senkt. Die vier Säulen der modernen Therapie tun genau das — und sind ihnen darin überlegen.
Die therapeutische Breite ist sehr gering. Zwischen wirksamer und giftiger Dosis liegt wenig; Spiegelbestimmungen sind nötig, und Nierenfunktion, Kalium und Alter verschieben die Grenze ständig.
Es gibt viele Wechselwirkungen und viele gefährdete Patienten — gerade die alten, nierenschwachen, mehrfach behandelten, für die sie gedacht wären.
Wo sie geblieben sind: bei Vorhofflimmern mit schneller Überleitung zur Frequenzkontrolle, besonders wenn Betablocker nicht ausreichen oder bei niedrigem Blutdruck nicht in Frage kommen; und bei Patienten mit reduzierter Pumpfunktion, die trotz voller Therapie symptomatisch bleiben.
Vorgehen in der Apotheke
Die Antwort auf die Protokollfrage, warum das Maiglöckchen oder der Oleander nicht therapeutisch genutzt werden, lautet ähnlich: Die Pflanzen sind zu giftig und zu wenig steuerbar. Der Gehalt schwankt, die Glykoside unterscheiden sich in ihrer Kinetik, und die Grenze zwischen Wirkung und Vergiftung ist zu schmal. Was aus dieser Gruppe geblieben ist, sind isolierte, standardisierte Reinstoffe.
Für die Beratung eines Patienten, der noch Digitalis nimmt:
Immer dasselbe Präparat — Substitutionsausschlussliste, kein Austausch in der Apotheke.
Nach den Frühzeichen fragen: Appetitlosigkeit, Übelkeit, Sehstörungen. Wer sie kennt, meldet sich früher.
Puls messen lassen — unter etwa 50 Schlägen zum Arzt.
Keine Selbstmedikation mit Johanniskraut, das den Spiegel senkt, und Vorsicht bei allem, was das Kalium beeinflusst.
Bei Durchfall und Erbrechen aus anderem Anlass geht Kalium verloren — dann steigt die Gefahr, obwohl sich an der Dosis nichts geändert hat.
Merke
Sie lindern, verlängern aber das Leben nicht — geblieben sind sie beim Vorhofflimmern.