Antwort
Drei Gründe. Erstens die mütterlichen Antikörper: Über die Plazenta erhält das Kind IgG der Mutter, das in den ersten Monaten viele Erreger abfängt — aber auch Impfantigene neutralisiert, bevor das Immunsystem sie sehen kann; Lebendimpfstoffe gegen Masern, Mumps und Röteln würden bis zum Alter von neun bis zwölf Monaten kaum eine Antwort auslösen. Zweitens die Unreife des Immunsystems: Die Antikörperantwort auf Polysaccharid-Antigene fehlt unter zwei Jahren völlig — deshalb die Konjugatimpfstoffe gegen Pneumokokken und Hib, die das Polysaccharid an ein Protein koppeln —, und T-Zell-Antworten sind schwächer und kürzer. Drittens die Verträglichkeit: Fieber beim jungen Säugling ist schwer von einer Sepsis zu unterscheiden.
Vorgehen in der Apotheke
Deshalb beginnt der Impfplan mit der Sechsfachimpfung ab der sechsten bis achten Lebenswoche, wenn die Antikörper der Mutter abgesunken sind, und mit mehreren Dosen, um die schwächere Antwort zu kompensieren; Masern erst ab elf Monaten. Ausnahmen: Die Hepatitis-B-Impfung wird bei infizierten Müttern sofort nach der Geburt gegeben, weil dort der Nutzen überwiegt; die Rotavirus-Schluckimpfung beginnt ab sechs Wochen, weil die Invagination später häufiger wird; und die Tuberkulose-Impfung BCG wird in Hochrisikoländern bei der Geburt gegeben. Der Schutz der ersten Wochen kommt nicht vom Kind, sondern von der Mutter — deshalb die Impfung der Schwangeren gegen Keuchhusten, Grippe, RSV und COVID, deren Antikörper das Neugeborene bekommt, und die Impfung des Umfelds. Für die Beratung: Nicht zu früh, nicht zu spät — die Impftermine der Vorsorgen sind genau darauf ausgelegt.
Merke
Mütterliche Antikörper neutralisieren den Impfstoff, das Immunsystem antwortet unreif auf Polysaccharide, Fieber ist gefährlich — deshalb ab sechs Wochen mit Konjugaten, Masern ab elf Monaten; die Mutter impfen schützt die ersten Wochen.