Antwort
Aristolochiasäure stammt aus Osterluzei-Arten — Aristolochia —, die in der traditionellen chinesischen Medizin und früher auch in Europa verwendet wurden. Sie ist stark nephrotoxisch und karzinogen: Sie bildet DNA-Addukte, die zu einer charakteristischen Mutation führen, verursacht eine rasch fortschreitende interstitielle Nierenfibrose bis zur Dialysepflicht und Urothelkarzinome der Harnwege. Bekannt wurde das 1993 in Belgien, als über hundert Frauen nach einer Schlankheitskur mit chinesischen Kräutern, in denen Aristolochia versehentlich ein anderes Kraut ersetzt hatte, Nierenversagen erlitten — die Chinese-Herb-Nephropathy; die Balkan-Nephropathie entlang der Donau wird auf Aristolochia-Samen im Getreide zurückgeführt.
Vorgehen in der Apotheke
In Deutschland sind aristolochiasäurehaltige Arzneimittel seit 1981 verboten, auch in der Homöopathie unter D10; die Gefahr bleibt bei importierten chinesischen Kräutermischungen, bei Verwechslungen ähnlich klingender chinesischer Pflanzennamen und bei Internetware. Für die Beratung: Kunden, die chinesische Kräuter oder Schlankheitskuren aus dem Ausland verwenden, auf das Risiko hinweisen und bei unerklärlicher Nierenfunktionsverschlechterung an die Möglichkeit denken. Das Lehrbeispiel zeigt drei Dinge: Natürlich ist nicht sicher, Verwechslungen in der Lieferkette sind real, und die Toxizität kann Jahre nach der Einnahme erscheinen. Für die Prüfung: Osterluzei, Nierenfibrose und Urothelkarzinom, belgische Schlankheitskur 1993, Balkan-Nephropathie, Verbot seit 1981.
Merke
Osterluzei-Alkaloid, DNA-Addukte, Nierenfibrose und Harnwegskrebs — belgische Schlankheitskur 1993 durch Kräuterverwechslung, Balkan-Nephropathie; verboten seit 1981, Gefahr in Importmischungen; natürlich ist nicht sicher.