Antwort
Mariendistelfrüchte enthalten das Flavonolignan-Gemisch Silymarin — Silibinin, Silychristin, Silydianin — mit ein bis drei Prozent. Die Indikation nach Kommission E und HMPC: toxische Leberschäden, die unterstützende Behandlung chronisch-entzündlicher Lebererkrankungen und der Leberzirrhose — als traditionelles Mittel zur Linderung von Verdauungsbeschwerden bei Leberstörung. Der Mechanismus: Silibinin stabilisiert die Membran der Leberzelle und blockiert die Aufnahme von Giften, wirkt antioxidativ als Radikalfänger, hemmt die Lipidperoxidation, regt die Proteinsynthese und die Regeneration an und hemmt die Fibrosebildung. Die Studienlage bei alkoholischer und viraler Hepatitis ist widersprüchlich — ein Nutzen auf harte Endpunkte ist nicht belegt.
Vorgehen in der Apotheke
Klar belegt ist die Wirkung in einem Fall: die Knollenblätterpilzvergiftung — Silibinin intravenös als Legalon SIL hemmt die Aufnahme des Amatoxins in die Leberzelle und ist neben Aktivkohle und Penicillin G das Antidot, gegeben innerhalb der ersten 48 Stunden. Oral wird Silymarin schlecht resorbiert; Präparate mit 200 bis 400 Milligramm Silymarin täglich, standardisiert, gut verträglich, selten Durchfall, leichte CYP-Hemmung. Für die Beratung: Mariendistel schadet nicht und kann bei Fettleber und nach Leberschäden begleitend genommen werden, aber sie ersetzt nicht den Alkoholverzicht, die Gewichtsabnahme und die Behandlung der Ursache — und der Pilzvergiftete braucht die Klinik, nicht die Kapsel. Für die Prüfung: Silymarin, Membranstabilisierung, Antioxidans, Regeneration — Indikation Leberschäden, Beleg beim Knollenblätterpilz.
Merke
Silymarin aus den Früchten — Membranstabilisierung, Antioxidans, Regeneration, antifibrotisch; Indikation toxische und chronische Leberschäden, belegt beim Knollenblätterpilz als Silibinin i.v.; ersetzt keinen Alkoholverzicht.