Antwort
Viele Phytopharmaka wirken nicht über einen schnellen Rezeptoreffekt, sondern über die Beeinflussung von Regelkreisen, die Zeit brauchen: Johanniskraut braucht wie ein synthetisches Antidepressivum zwei bis vier Wochen bis zur Rezeptoradaptation; Baldrian entfaltet seine schlafverbessernde Wirkung erst nach ein bis zwei Wochen regelmäßiger Einnahme — die Einmalgabe hilft kaum; Mönchspfeffer braucht drei Zyklen; Sägepalme, Kürbiskerne und Brennnessel bei Prostatabeschwerden vier bis sechs Wochen; Ginkgo bei kognitiven Beschwerden acht bis zwölf Wochen; Weißdorn bei Herzinsuffizienz sechs Wochen; Rosskastanie bei Venenbeschwerden zwei bis vier Wochen; Teufelskralle bei Arthrose zwei bis drei Wochen; Cimicifuga bei Wechseljahren vier bis sechs Wochen; Lavendelöl bei Angst zwei Wochen. Schnell wirken dagegen die physikalisch und lokal wirkenden — Schleimstoffe, Anthranoide, ätherische Öle beim Inhalieren, Pfefferminzöl bei Kopfschmerz, Flohsamen.
Vorgehen in der Apotheke
Für die Beratung ist das entscheidend, weil Patienten Phytopharmaka nach drei Tagen als unwirksam absetzen: die Latenz beim Kauf nennen, eine Mindestdauer vereinbaren — zwei Wochen bei Baldrian, vier bei Johanniskraut, drei Monate bei Mönchspfeffer —, und bei ausbleibender Wirkung nach dieser Zeit wechseln, nicht steigern. Die Dosis muss die der Studien sein — Johanniskraut 600 bis 900 Milligramm Extrakt, Baldrian 400 bis 600 —, nicht die des Tees. Und die Gefahr der Latenz: Wer bei mittelschwerer Depression vier Wochen auf Johanniskraut wartet, verliert Zeit — die Grenze zum Arzt bleibt. Für die Prüfung: Regelkreise brauchen Wochen — Johanniskraut vier, Baldrian zwei, Mönchspfeffer drei Zyklen, Sägepalme sechs Wochen —, lokal und physikalisch wirkende sofort.
Merke
Regelkreise brauchen Zeit — Baldrian zwei Wochen, Johanniskraut vier, Mönchspfeffer drei Zyklen, Sägepalme und Cimicifuga sechs Wochen, Ginkgo zwölf; Schleimstoffe, Senna, Pfefferminzöl sofort; Latenz beim Kauf nennen, Studiendosis geben.