Antwort
Schöllkraut — Chelidonium majus, ein Mohngewächs — enthält Isochinolinalkaloide wie Chelidonin, Berberin, Coptisin und Sanguinarin, die krampflösend an den Gallenwegen und schwach cholagog wirken; deshalb stand es in Magen-Galle-Präparaten und in der Kombination Iberogast bis 2021. Die Alkaloide sind in üblichen Dosen für die Leber toxisch: idiosynkratische Hepatitis mit Transaminasenanstieg, Gelbsucht, in Einzelfällen Leberversagen und Transplantation, meist innerhalb von Wochen bis Monaten nach Beginn, reversibel nach Absetzen. Das BfArM hat 2008 Schöllkrautpräparate mit über 2,5 Milligramm Alkaloiden pro Tag die Zulassung entzogen und die Leberwarnung für den Rest angeordnet.
Vorgehen in der Apotheke
Iberogast Classic enthält Schöllkraut weiterhin mit Warnhinweis auf Leberschäden; Iberogast Advance wurde 2021 ohne Schöllkraut und ohne Angelikawurzel neu formuliert — mit Iberis amara, Kamille, Kümmel, Pfefferminz, Melisse, Süßholz — und ist die Variante ohne dieses Risiko. Für die Beratung: Bei Reizmagen die Advance-Variante oder Pfefferminz-Kümmel-Öl; bei Lebererkrankung, Alkoholkonsum oder anderen lebertoxischen Mitteln kein Schöllkraut; bei Müdigkeit, Übelkeit, dunklem Urin, Gelbfärbung absetzen und Leberwerte. Und der Merksatz zu Pflanzen-Lebertoxizität: Schöllkraut, Kava-Kava, Pyrrolizidinalkaloide, Cimicifuga in Einzelfällen, Grüntee-Extrakt hochdosiert — pflanzlich heißt nicht leberschonend.
Merke
Isochinolinalkaloide wie Chelidonin, spasmolytisch an der Galle, aber idiosynkratisch lebertoxisch — Zulassung über 2,5 mg entzogen; in Iberogast Classic mit Warnung, in Advance nicht mehr; bei Leberkranken meiden.