Antwort
Ätherische Öle haben Siedepunkte zwischen 150 und 300 Grad, aber einen hohen Dampfdruck schon bei Raumtemperatur — die Moleküle sind klein, unpolar und ohne Wasserstoffbrücken, deshalb halten sie einander kaum fest und gehen aus der Flüssigkeit in die Luft: Das ist der Geruch. Wärme, Licht, Luft und große Oberflächen beschleunigen es und lösen zugleich die Oxidation aus, die Terpene zu allergenen Hydroperoxiden macht — Limonen und Linalool werden erst durch Oxidation zu starken Kontaktallergenen. Deshalb die Lagerregeln: dicht verschlossen, im Braunglas, kühl, nicht über 25 Grad, ohne Luftraum in der Flasche, und Teedrogen mit ätherischem Öl nicht zerkleinert und nicht länger als ein Jahr.
Vorgehen in der Apotheke
Zur Raumtemperatur: Manche Präparate wurden früher kühl gelagert, weil man die Verflüchtigung fürchtete; Stabilitätsstudien zeigten dann, dass in dicht verschlossenen Fertigarzneimitteln — Kapseln, Salben, Tropfen — bei Raumtemperatur über die Laufzeit kein relevanter Verlust eintritt, während die Kühllagerung bei Salben und Emulsionen die Konsistenz stört, Wirkstoffe auskristallisieren lässt und in der Apotheke Kühlschrankplatz kostet. Die Umstellung auf „nicht über 25 Grad“ ist deshalb eine Erkenntnis aus Stabilitätsdaten, nicht eine Lockerung. Für die Beratung: Angebrochene Öle innerhalb von sechs bis zwölf Monaten aufbrauchen, ranzigen oder harzigen Geruch als Zeichen der Oxidation nehmen, und Erkältungssalben nicht auf der Heizung lagern.
Merke
Kleine, unpolare Moleküle mit hohem Dampfdruck — Geruch ist Verdunstung, Oxidation macht Allergene; dicht, dunkel, unter 25 Grad; Raumtemperatur statt Kühlschrank, weil Stabilitätsdaten es erlauben und Kälte Salben schadet.