Antwort
Die Frage kommt aus dem Handverkauf und hat mehrere mögliche Antworten, die man der Reihe nach prüft:
Es ist gar keine bakterielle Infektion — der häufigste Grund. Gegen Viren wirkt kein Antibiotikum.
Der Erreger ist resistent — dann muss auf ein anderes Mittel gewechselt werden, möglichst nach Antibiogramm.
Der Erreger wird vom Spektrum nicht erfasst — etwa ein atypischer Erreger unter einem Beta-Lactam, weil ihm die Zellwand fehlt.
Der Wirkstoff erreicht den Ort nicht — Nitrofurantoin bei Nierenbeckenentzündung, Aminoglykoside im Abszess, unzureichende Liquorgängigkeit bei Meningitis.
Die Einnahme stimmt nicht — zu große Abstände, mit Milch, mit Antazida, vergessene Dosen.
Es liegt ein Herd vor, der beseitigt werden muss — Abszess, Fremdkörper, Katheter, kariöser Zahn. Ohne die Herdsanierung hilft kein Antibiotikum.
Es ist zu früh — die Besserung braucht 48 bis 72 Stunden.
Beratung
Was Sie im Gespräch tun:
Nach der Dauer fragen. „Seit wann nehmen Sie es?“ Wer nach einem Tag keine Besserung sieht, ist ungeduldig, nicht therapieresistent.
Nach der Einnahme fragen — und zwar offen: „Wie nehmen Sie es genau ein?“ Dabei kommen die Milch zum Doxycyclin, das Antazida zum Ciprofloxacin und die zwei Dosen in vier Stunden zutage.
Nach Begleitmedikation fragen — Mineralstoffpräparate, Protonenpumpenhemmer, Eisen.
Zum Arzt schicken bei: fehlender Besserung nach drei Tagen, Verschlechterung, hohem Fieber, neuen Beschwerden, Atemnot, Ausschlag.
Nicht selbst umstellen und nicht die Dosis erhöhen.
Und die Erklärung, die dem Patienten hilft: Ein Antibiotikum tötet die Bakterien ab, aber der Körper braucht Zeit, die Entzündung abzubauen. Fieber und Beschwerden bessern sich deshalb nicht am selben Tag. Wer das weiß, wartet die 72 Stunden ab, statt die Packung wegzulegen — und genau das schützt vor Resistenzen.
Merke
Erst 48 bis 72 Stunden abwarten — dann prüfen: Virus, Resistenz, Einnahmefehler oder ein Herd.