Antwort
Nicht anfassen, nicht öffnen, nicht bewegen.
Pikrinsäure — chemisch Trinitrophenol — ist in trockenem Zustand explosionsgefährlich. Sie wird deshalb angefeuchtet aufbewahrt, üblicherweise mit einem Wasseranteil von mindestens dreißig Prozent. Trocknet ein altes Gefäß aus, wird der Inhalt schlagempfindlich; hinzu kommt, dass sich mit Metallen — etwa mit einem metallenen Schraubverschluss oder in einem Blechschrank — noch empfindlichere Pikrate bilden können.
Schon das Aufdrehen eines festsitzenden Deckels kann dann genügen.
Richtig ist deshalb: Bereich sichern, niemanden heranlassen und die Feuerwehr verständigen. Die Beseitigung übernimmt der Kampfmittelräumdienst oder ein Spezialentsorger.
Vorgehen in der Apotheke
Die Frage steht so in den Prüfungsprotokollen, und sie prüft Haltung, nicht Wissen: Erkennen Sie, dass es Situationen gibt, in denen nichts zu tun die richtige Handlung ist?
Der allgemeine Grundsatz dahinter lässt sich auf jeden Altbestand übertragen:
Unbekanntes oder verdächtiges Gebinde nicht öffnen.
Nicht umfüllen, nicht schütteln, nicht transportieren.
Bereich sichern, Kollegen informieren.
Fachkundige Hilfe holen — Feuerwehr, Entsorger, Aufsichtsbehörde.
Vorgang dokumentieren.
Ähnlich empfindlich sind alte Bestände an Ether — es bildet beim Lagern explosive Peroxide — und an Perchloraten.
Daraus folgt die vorbeugende Lehre, die man anfügen sollte: Ein Gefahrstoffbestand wird regelmäßig durchgesehen, und was nicht mehr gebraucht wird, wird entsorgt, solange es noch gefahrlos möglich ist.
Merke
Trockene Pikrinsäure ist ein Sprengstoff. Stehen lassen und die Feuerwehr rufen.