Antwort
Ja, mit Einschränkungen — und die Empfehlung hat sich 2021 geändert. Die D-Fluoretten und vergleichbare Präparate kombinieren 500 Einheiten Vitamin D zur Rachitisprophylaxe mit 0,25 Milligramm Fluorid zur Kariesprophylaxe.
Vitamin D ist unstrittig: Jeder Säugling erhält im ersten Lebensjahr täglich 400 bis 500 Einheiten, unabhängig von Stillen oder Flasche, weil Muttermilch wenig enthält und Säuglinge nicht in die Sonne gehören. Im zweiten Winter wird es fortgesetzt.
Fluorid ist die Streitfrage: Es härtet den Zahnschmelz, wirkt aber vor allem örtlich auf den Zahn, weniger über das Blut — und die Zähne kommen erst ab dem sechsten Monat.
Beratung
Die aktuelle Empfehlung der Kinderärzte und Zahnärzte von 2021: Von der Geburt bis zum Zahndurchbruch Vitamin D plus Fluorid als Tablette — 0,25 Milligramm täglich. Ab dem ersten Zahn gibt es zwei Wege: entweder weiter die Tablette, oder fluoridhaltige Kinderzahnpasta mit 1000 ppm in reiskorngroßer Menge, ab dem zweiten Geburtstag erbsengroß — nicht beides. Die Zahnärzte bevorzugen die Zahnpasta, die Kinderärzte lassen beides zu. Die Eltern entscheiden, und die Apotheke berät dazu.
Nicht doppelt: Fluoridtablette plus fluoridierte Zahnpasta plus fluoridiertes Speisesalz ergibt zu viel — die Folge ist die Dentalfluorose, weißliche Flecken im bleibenden Gebiss. Das Trinkwasser in Deutschland ist fluoridarm, das entfällt.
Anwendung der Tablette: in einem Löffel Wasser oder Milch auflösen, nicht in die Flasche geben (Reste bleiben zurück), einmal täglich, nicht nachholen.
Die Tropfen-Alternative mit Vitamin D allein ist für die Familien, die Zahnpasta wählen.
Der Kombination liegt also Pragmatismus zugrunde — eine Tablette für zwei Ziele —, nicht eine pharmakologische Notwendigkeit. Sinnvoll ist sie im ersten halben Jahr; danach ist es eine Entscheidung.
Merke
Vitamin D ist Pflicht, Fluorid ist Wahl — bis zum ersten Zahn kombiniert, danach Tablette oder Zahnpasta, nie beides.