Antwort
Sofort: die Wunde bluten lassen, nicht ausdrücken, mindestens eine Minute unter fließendem Wasser spülen, dann mit einem alkoholischen Hautantiseptikum — Ethanol über 70 Prozent oder PVP-Iod — mindestens drei Minuten desinfizieren. Dann innerhalb weniger Stunden zur Durchgangsärztin oder in die Notaufnahme: Bestimmung des Hepatitis-B-Impfstatus, Blutabnahme für HIV, HBV, HCV als Ausgangswert, wenn möglich Testung der Indexperson. Bei HIV-Risiko beginnt die Postexpositionsprophylaxe bestenfalls innerhalb von zwei Stunden, spätestens nach 48 bis 72 Stunden; bei fehlendem Hepatitis-B-Schutz Impfung plus Immunglobulin binnen 48 Stunden. Es ist ein Arbeitsunfall — Eintrag ins Verbandbuch, Unfallanzeige an die BGW, wenn Arbeitsunfähigkeit über drei Tage folgt.
Vorgehen in der Apotheke
In der Apotheke kommen Kanülen aus der Zytostatikaherstellung, der Impfung, dem Blutzuckertest und aus den Rückgaben von Kunden — die häufigste Quelle ist der Rückgabebeutel mit losen Nadeln. Prävention nach TRBA 250: Abwurfbehälter durchstichsicher, direkt am Arbeitsplatz, nie über die Markierung füllen, kein Recapping — die Schutzkappe wird nie wieder aufgesteckt —, Sicherheitskanülen, wo verfügbar, und Kunden bekommen kostenlos Kanülenboxen mit dem Hinweis, keine losen Nadeln zurückzubringen. Das Übertragungsrisiko nach Stich mit HBV-positivem Blut liegt bei bis zu 30 Prozent bei Ungeimpften, bei HCV um 1 Prozent, bei HIV um 0,3 Prozent — deshalb ist die Hepatitis-B-Impfung des Personals die wichtigste Maßnahme.
Merke
Bluten lassen, spülen, drei Minuten desinfizieren, D-Ärztin, HIV-PEP binnen zwei Stunden, Hepatitis B klären — Verbandbuch, BGW; kein Recapping.