Kenntnisprüfung Apotheker · Pharmakokinetik und Pharmakodynamik · Beispielfrage aus der App
Was bedeutet Selektivität, und warum geht sie bei hoher Dosis verloren?
Eine Prüfungsfrage aus dem Fachgebiet Pharmakokinetik und Pharmakodynamik der mündlichen Kenntnisprüfung für Apothekerinnen und Apotheker – beantwortet so, wie man es am Prüfungstisch sagt. Lesen Sie die Frage, antworten Sie laut, und vergleichen Sie erst dann.
Antwort
Selektivität bedeutet, dass ein Wirkstoff einen Rezeptorsubtyp mit deutlich höherer Affinität bindet als andere — Beta-1 gegenüber Beta-2 bei Bisoprolol etwa 75-fach, Metoprolol 20-fach; COX-2 gegenüber COX-1 bei Celecoxib; 5-HT1B/1D bei Triptanen; Alpha-1A bei Tamsulosin; M3 bei Solifenacin. Selektivität ist relativ, nicht absolut: Sie beschreibt ein Affinitätsverhältnis. Bei niedriger Konzentration wird überwiegend der bevorzugte Rezeptor besetzt; steigt die Konzentration, werden auch die Rezeptoren mit niedrigerer Affinität erreicht — die Selektivität verschwindet. Bisoprolol 5 Milligramm ist beta-1-selektiv, Bisoprolol 20 blockiert auch Beta-2; Celecoxib 200 schont COX-1, 800 nicht mehr.
Vorgehen in der Apotheke
Die praktischen Folgen: Selektive Betablocker sind bei COPD und Diabetes in niedriger bis mittlerer Dosis vertretbar, in hoher nicht; Tamsulosin macht in Standarddosis wenig Blutdruckabfall, überdosiert schon; Coxibe verlieren den Magenschutz bei hoher Dosis; und Clozapin oder Quetiapin binden je nach Dosis ganz verschiedene Rezeptoren — Quetiapin 25 Milligramm ist ein Antihistaminikum zum Schlafen, 600 ein Antipsychotikum. Auch Genvarianten und Krankheit verschieben die Selektivität. Für die Prüfung: Selektiv heißt bevorzugt, nicht ausschließlich — und die Dosis entscheidet, ob die Bevorzugung reicht.
Merke
Selektivität ist ein Affinitätsverhältnis, keine Ausschließlichkeit — bei hoher Dosis werden auch die schwächer bindenden Rezeptoren besetzt: Bisoprolol blockiert dann Beta-2, Celecoxib COX-1, Quetiapin alles.
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