Antwort
Die Hemmung der Serotonin- oder Noradrenalin-Wiederaufnahme ist innerhalb von Stunden komplett — die Konzentration im synaptischen Spalt steigt sofort. Die antidepressive Wirkung kommt trotzdem erst nach zwei bis vier Wochen. Die Erklärung liegt in der Adaptation: Das erhöhte Serotonin aktiviert zunächst die hemmenden 5-HT1A-Autorezeptoren an den Zellkörpern, die die Feuerrate der Neurone drosseln und den Effekt teilweise aufheben; erst über Wochen desensibilisieren diese Autorezeptoren, die Neurone feuern wieder normal, und die erhöhte Transmission wirkt voll. Parallel ändern sich postsynaptische Rezeptordichten, die Genexpression über CREB, und Wachstumsfaktoren wie BDNF fördern die Neuroplastizität im Hippocampus — Verbindungen werden neu gebildet.
Vorgehen in der Apotheke
Die praktischen Folgen: Die Nebenwirkungen — Übelkeit, Unruhe, Schlafstörung — kommen sofort, die Wirkung später; das ist die Phase, in der Patienten abbrechen, und die Beratung muss sie darauf vorbereiten. Ein Ansprechen zeigt sich oft schon nach ein bis zwei Wochen als leichte Besserung; wer nach vier Wochen in ausreichender Dosis gar nicht anspricht, wird umgestellt. Und die Latenz gilt auch beim Absetzen — die Rezeptoren müssen sich zurückadaptieren, deshalb ausschleichen. Für die Prüfung: Die Transporterhemmung ist der Anfang, die Rezeptoradaptation und Neuroplastizität sind die Wirkung — dieselbe Logik wie bei Antipsychotika, Betablockern gegen Migräne und Lithium.
Merke
Transporter sofort blockiert, aber Autorezeptoren bremsen — erst ihre Desensibilisierung nach Wochen und die Neuroplastizität über BDNF bringen die Wirkung; Nebenwirkungen sofort, deshalb vorbereiten.