Antwort
Sehr viel lässt sich allein durch Beobachtung erheben. Die Inspektion ist ein vollwertiger Teil der körperlichen Untersuchung und liefert bei Kopfschmerz oft die entscheidenden Hinweise.
Klinik
Eine gezielte Anamnese ist ohnehin berührungsfrei und beantwortet die wichtigste Frage: Ist es ein primärer oder ein sekundärer Kopfschmerz? Warnzeichen sind Vernichtungsschmerz mit Maximum in Sekunden, erstmaliger Kopfschmerz nach dem 50. Lebensjahr, Fieber, neurologische Ausfälle, Krampfanfall, Wesensänderung, Immunsuppression und Schwangerschaft.
Diagnostik
Ohne Berührung beurteilbar: Allgemeinzustand, Bewusstseinslage, Orientierung und Sprache — eine Aphasie oder Verwirrtheit spricht sofort gegen eine harmlose Ursache. Verhalten: Rückzug in einen abgedunkelten Raum bei Lichtscheu und Geräuschempfindlichkeit spricht für Migräne; motorische Unruhe mit Umherlaufen für den Cluster-Kopfschmerz, bei dem Patienten die Ruhe gerade nicht suchen. Gesicht: Ptosis, Miosis und tränendes, gerötetes Auge mit laufender Nase auf einer Seite ergeben das Horner-Syndrom beim Cluster-Kopfschmerz. Hautbefunde: Bläschen im Trigeminusgebiet bei Zoster, Petechien bei Meningokokkensepsis, Blässe, Schwitzen. Augen: Pupillenweite und Seitengleichheit, Blickstellung, Doppelbilder, Ptosis. Kopfhaltung: Schonhaltung und Meningismus zeigen sich schon beim Aufrichten. Sprache, Mimik und Gestik lassen eine Fazialisparese erkennen.
Therapie
Funktionsprüfungen ohne Berührung: Aufstehen und Gehen mit Beurteilung von Gangbild, Standunsicherheit und Fallneigung; Finger-Nase-Versuch; Zeichen des zentralen Ausfalls über Armvorhalteversuch; Sprechen und Zählen; das Kinn-Brust-Manöver, bei dem der Patient selbst den Kopf beugt.
Merke
Der Punkt, den der Prüfer hören will: Die Untersuchung beginnt, sobald der Patient den Raum betritt. Ein Patient, der ruhig und ungestört im Hellen sitzt, hat mit hoher Wahrscheinlichkeit keine akute Migräneattacke — und einer, der sich nicht aufrichten kann, hat bis zum Beweis des Gegenteils eine Meningitis oder Blutung.