Antwort
Bei der Inspektion des Thorax achtet man auf Atmung, Form, Symmetrie und Hautbefunde — und beginnt damit, bevor man den Patienten überhaupt berührt.
Klinik
Form und Symmetrie: Fassthorax beim Emphysem, Trichter- und Kielbrust, Kyphoskoliose, Gibbus; seitengleiche Atemexkursion; paradoxe Bewegung eines Segments beim instabilen Thorax; nachschleppende Seite bei Erguss, Pneumothorax oder Schmerz. Haut und Weichteile: Zyanose an Lippen und Akren, Blässe, Narben von Operationen und Drainagen, Schrittmacher- oder Portkammer, Thoraxdrainagen, Hautemphysem, Prellmarken, Gürtelrose im Dermatom, gestaute Halsvenen, obere Einflussstauung mit Kollateralen an der Brustwand, Trommelschlägelfinger und Uhrglasnägel, Gynäkomastie, Spider naevi.
Diagnostik
Atmung: Frequenz über eine volle Minute unbemerkt gezählt, normal 12 bis 20; Atemtiefe; Atemmuster mit Kußmaul-Atmung bei metabolischer Azidose, Cheyne-Stokes-Atmung bei Herzinsuffizienz und zentraler Schädigung, Biot-Atmung bei Hirnstammläsion, Schnappatmung als Zeichen des Kreislaufstillstands; Verhältnis von Ein- zu Ausatmung mit verlängertem Exspirium bei Obstruktion; Einsatz der Atemhilfsmuskulatur mit Aufstützen der Arme und Mitbewegung von Nasenflügeln und Halsmuskulatur; Einziehungen jugulär, interkostal und subkostal; Lippenbremse.
Therapie
Beobachtet wird der Patient am besten schon beim Eintreten: Wie spricht er — in ganzen Sätzen oder in Sprechdyspnoe? Wie sitzt er — aufrecht, vornübergebeugt, aufgestützt? Diese Beobachtungen sind oft aussagekräftiger als der spätere Auskultationsbefund.
Merke
Zwei Punkte: Die Atemfrequenz ist der empfindlichste und am häufigsten vergessene Vitalparameter — sie steigt vor Blutdruck und Puls und ist der beste Frühindikator einer Verschlechterung. Und sie wird gezählt, ohne dass der Patient es merkt, weil sie sich sonst willkürlich verändert; deshalb zählt man sie, während man scheinbar noch den Puls tastet.