Antwort
Die Diagnose stützt sich auf Klinik, Entzündungswerte und Bildgebung; die Therapie beginnt aber, bevor die Diagnostik abgeschlossen ist.
Diagnostik
Klinisch: neu aufgetretener Schläfenkopfschmerz jenseits des 50. Lebensjahres, druckschmerzhafte, verdickte und pulslose Arteria temporalis, Kauclaudicatio, Sehstörungen, dazu häufig Allgemeinsymptome und eine begleitende Polymyalgia rheumatica. Labor: stark erhöhte Blutkörperchensenkungsgeschwindigkeit, oft über 50 Millimeter in der ersten Stunde, und erhöhtes CRP. Bildgebung: Farbduplexsonographie der Temporalarterien mit dem typischen echoarmen Halo-Zeichen als Ausdruck der Wandödems, ergänzend MR-Angiographie oder PET-CT bei Verdacht auf Großgefäßbeteiligung. Beweisend ist die Biopsie der Arteria temporalis mit Nachweis einer granulomatösen Riesenzellarteriitis.
Therapie
Bei begründetem Verdacht sofort hochdosierte Glukokortikoide, ohne das Ergebnis der Biopsie abzuwarten. Bei Sehstörungen intravenöse Stoßtherapie. Die Biopsie bleibt auch nach Therapiebeginn noch ein bis zwei Wochen aussagekräftig.
Komplikationen
Gefürchtet ist die anteriore ischämische Optikusneuropathie mit plötzlicher, meist irreversibler Erblindung, außerdem Schlaganfall und Aortenaneurysma im Verlauf. Immer augenärztliche Mitbeurteilung.
Merke
Wegen der Segmentbefall kann die Biopsie falsch negativ sein; deshalb wird ein ausreichend langes Gefäßstück entnommen. Ein negativer Befund schließt die Erkrankung bei typischer Klinik nicht aus.