Antwort
Entscheidend ist die Dosisanpassung. Bei alten Menschen wird niedriger begonnen und langsamer gesteigert, nach dem Grundsatz start low, go slow — oft mit der Hälfte der Erwachsenendosis.
Ätiologie
Der Grund liegt in der veränderten Pharmakokinetik und -dynamik: verminderte Nieren- und Leberfunktion mit verzögerter Elimination, geringere Muskelmasse und höherer Fettanteil mit verändertem Verteilungsvolumen, niedrigeres Serumalbumin mit höherem freien Wirkstoffanteil, und eine erhöhte Empfindlichkeit des zentralen Nervensystems.
Therapie
Substanzwahl nach Nierenfunktion: Bei eingeschränkter Niere sind Hydromorphon und Buprenorphin günstig, weil sie kaum renal eliminiert werden; Morphin kumuliert dagegen über aktive Metaboliten. Codein und Tramadol sind wegen unsicherer Metabolisierung und Interaktionen weniger geeignet.
Komplikationen
Häufig sind Sedierung, Sturzneigung, Delir und Atemdepression. Die Obstipation tritt bei praktisch allen auf und unterliegt keiner Toleranzentwicklung, weshalb von Anfang an ein Laxans wie Macrogol mitverordnet wird. Übelkeit ist in den ersten Tagen häufig und klingt meist ab.
Merke
Neben der Dosisanpassung gehört zu jedem Opioidrezept die Obstipationsprophylaxe. Das ist ein klassischer Prüfungspunkt und im Alltag der häufigste Grund, warum Patienten die Therapie abbrechen.