Klinische Pharmakologie ist ergänzender Prüfungsinhalt nach § 37 ÄApprO: Nebenwirkungen, Wechselwirkungen, Dosierungen und Antidote der häufigsten Medikamente.
Beispielfrage 1 von 95 · aus der App
Was sind die Nebenwirkungen von Statinen?
Antwort
Statine hemmen die HMG-CoA-Reduktase und damit die Cholesterinsynthese in der Leber. Insgesamt sind sie gut verträglich; im Vordergrund stehen Muskel- und Leberprobleme.
Diagnostik
Vor Therapiebeginn Transaminasen und Kreatinkinase bestimmen, danach nur bei Beschwerden. Bei Muskelbeschwerden CK kontrollieren und nach Auslösern suchen.
Therapie
Das Risiko steigt mit der Dosis und durch Interaktionen über CYP3A4: Makrolide, Azol-Antimykotika, Ciclosporin, Verapamil und Grapefruitsaft. Auch Fibrate, besonders Gemfibrozil, erhöhen es. Bei Unverträglichkeit Dosisreduktion, Wechsel auf Pravastatin oder Rosuvastatin, alternierende Gabe oder Umstellung auf Ezetimib beziehungsweise einen PCSK9-Hemmer.
Komplikationen
Am häufigsten muskuläre Beschwerden: Myalgien mit Schmerzen und Schwäche, meist symmetrisch und proximal betont. Abgestuft von der einfachen Myalgie ohne CK-Anstieg über die Myopathie mit erhöhter Kreatinkinase bis zur Rhabdomyolyse mit CK über dem Zehnfachen der Norm, Myoglobinurie und akutem Nierenversagen. Weiter Transaminasenanstieg, gastrointestinale Beschwerden, Kopfschmerzen, Schlafstörungen und ein leicht erhöhtes Risiko für einen neu auftretenden Diabetes.
Merke
Nicht jeder Muskelschmerz unter Statin ist eine Statinmyopathie; im Blindversuch treten sie fast ebenso häufig auf. Ein absolutes Absetzen ist nur bei CK über dem Zehnfachen oder bei Rhabdomyolyse zwingend.
Beispielfrage 2 von 95 · aus der App
Welche Nebenwirkungen haben ACE-Hemmer?
Antwort
Die typischen Nebenwirkungen erklären sich alle aus dem Wirkmechanismus: Hemmung des Angiotensin-Converting-Enzyms mit weniger Angiotensin II und Aldosteron, zugleich verzögertem Abbau von Bradykinin.
Diagnostik
Ein Kreatininanstieg bis etwa 30 Prozent nach Therapiebeginn ist zu erwarten und kein Grund zum Absetzen; er zeigt die erwünschte Senkung des glomerulären Drucks. Steigt es stärker, muss eine Nierenarterienstenose ausgeschlossen werden.
Therapie
Kontraindiziert in der Schwangerschaft wegen Fruchtschädigung, bei beidseitiger Nierenarterienstenose, bei Hyperkaliämie und bei früherem Angioödem. Vorsicht in Kombination mit kaliumsparenden Diuretika, Kaliumsupplementen und NSAR.
Komplikationen
Häufigste ist der trockene Reizhusten bei bis zu 15 Prozent, verursacht durch die Bradykininanreicherung. Weiter Hyperkaliämie durch den Aldosteronabfall, ein initialer Kreatininanstieg, Hypotonie besonders nach der ersten Gabe, Schwindel, Geschmacksstörungen. Selten, aber lebensbedrohlich ist das Angioödem mit Schwellung von Lippen, Zunge und Larynx.
Merke
Bei Reizhusten wird auf ein Sartan umgestellt, das denselben Nutzen hat, aber den Bradykininabbau nicht hemmt. Nach einem Angioödem sind ACE-Hemmer dagegen dauerhaft tabu.
Beispielfrage 3 von 95 · aus der App
Was sind nephrotoxische Medikamente?
Antwort
Man ordnet sie nach dem Schädigungsmechanismus, das erleichtert das Merken.
Ätiologie
Hämodynamisch, also über eine Senkung des glomerulären Drucks: NSAR durch Konstriktion des Vas afferens, ACE-Hemmer und Sartane durch Dilatation des Vas efferens, Ciclosporin und Tacrolimus. Direkt tubulotoxisch: Aminoglykoside wie Gentamicin, Vancomycin, Amphotericin B, Cisplatin, jodhaltiges Kontrastmittel. Interstitielle Nephritis als allergische Reaktion: Penicilline, Cephalosporine, Sulfonamide, Protonenpumpenhemmer, NSAR. Kristallnephropathie: Aciclovir, Methotrexat, Sulfonamide. Weiter Lithium mit chronischer Schädigung.
Therapie
Vorbeugung: Nierenfunktion vor und unter Therapie kontrollieren, Dosis an die Filtrationsrate anpassen, ausreichend hydrieren, Kombinationen meiden, vor Kontrastmittelgabe Metformin und NSAR pausieren und Volumen geben.
Komplikationen
Besonders gefährlich ist die Kombination, im Alltag als triple whammy bekannt: ACE-Hemmer oder Sartan plus Diuretikum plus NSAR. Zusätzliche Risikofaktoren sind Exsikkose, hohes Alter, vorbestehende Niereninsuffizienz, Herzinsuffizienz und Diabetes.
Merke
Bei jedem unklaren Kreatininanstieg gehört die Medikamentenliste als Erstes durchgesehen. Die häufigste vermeidbare Ursache eines akuten Nierenversagens im Krankenhaus ist ein Medikament.
Beispielfrage 4 von 95 · aus der App
Welche Nebenwirkungen haben Betablocker?
Antwort
Die Nebenwirkungen ergeben sich unmittelbar aus der Blockade der Beta-Rezeptoren: kardial über Beta-1, bronchial und metabolisch über Beta-2.
Diagnostik
Der wichtigste Punkt beim Diabetiker: Betablocker verschleiern die Warnzeichen der Unterzuckerung — Zittern, Herzrasen und Unruhe fallen weg, das Schwitzen bleibt erhalten. Bei rezidivierenden Hypoglykämien ist das ein ernstes Problem.
Therapie
Kontraindiziert bei höhergradigem AV-Block, Bradykardie unter 50, akut dekompensierter Herzinsuffizienz, kardiogenem Schock, schwerem Asthma und beim kokaininduzierten Infarkt.
Komplikationen
Kardial: Bradykardie, AV-Blockierungen, Blutdruckabfall, Verschlechterung einer akut dekompensierten Herzinsuffizienz. Pulmonal: Bronchospasmus bei Asthma und chronisch obstruktiver Lungenerkrankung, vor allem bei nicht selektiven Substanzen. Peripher: kalte Hände und Füße, Verschlechterung einer peripheren arteriellen Verschlusskrankheit und eines Raynaud-Phänomens. Zentral: Müdigkeit, Leistungsminderung, Schlafstörungen mit lebhaften Träumen, depressive Verstimmung — besonders bei lipophilen Substanzen wie Metoprolol und Propranolol, die die Blut-Hirn-Schranke überwinden. Weiter erektile Dysfunktion, Gewichtszunahme, ungünstige Wirkung auf Blutfette und Glukosetoleranz.
Merke
Der gefährlichste Fehler ist das abrupte Absetzen: Durch die Hochregulierung der Rezeptoren kommt es zum Rebound mit Tachykardie, Blutdruckkrise, Angina pectoris und Infarktgefahr. Betablocker werden immer ausgeschlichen. Und beim chronisch herzinsuffizienten Patienten wirken sie prognoseverbessernd, obwohl sie akut die Kontraktilität senken — sie werden dort einschleichend und in Trockengewicht begonnen.