Antwort
Beim akuten Glaukomanfall findet man ein stark gerötetes, sehr schmerzhaftes Auge mit mittelweiter, entrundeter und lichtstarrer Pupille, trüber Hornhaut und einem bei der Palpation steinharten Augapfel.
Ätiologie
Ursache ist der Verschluss des Kammerwinkels mit Behinderung des Kammerwasserabflusses und einem Anstieg des Augeninnendrucks auf oft über 50 Millimeter Quecksilbersäule, normal sind 10 bis 21. Begünstigt wird er durch eine anatomisch enge Vorderkammer, Weitsichtigkeit, hohes Alter, asiatische Herkunft und alles, was die Pupille erweitert: Dunkelheit, Stress, Anticholinergika, Sympathomimetika, trizyklische Antidepressiva und pupillenerweiternde Augentropfen.
Klinik
Weitere Zeichen: heftiger, tief sitzender Augen- und Kopfschmerz auf der betroffenen Seite; Sehverschlechterung mit Nebelsehen und farbigen Ringen um Lichtquellen, den Halos; ausgeprägte vegetative Begleitsymptomatik mit Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen und Bradykardie über den okulokardialen Reflex. Genau diese Begleitsymptome führen dazu, dass der Anfall regelmäßig als Migräne, Hirndruck oder akutes Abdomen verkannt wird.
Therapie
Es ist ein augenärztlicher Notfall — ohne Behandlung droht innerhalb von Stunden die irreversible Erblindung durch Schädigung des Sehnervs. Sofort augenärztliche Vorstellung. Medikamentös drucksenkend mit Acetazolamid intravenös, Mannitol, topischen Betablockern, Alpha-2-Agonisten und Pilocarpin zur Pupillenverengung; anschließend die Iridotomie mit dem Laser, auch prophylaktisch am zweiten Auge.
Merke
Zur Abgrenzung: Beim Glaukomanfall ist die Pupille mittelweit und starr, bei der Uveitis eng, bei der Okulomotoriusparese weit. Und der wichtigste Fehler wäre die Gabe pupillenerweiternder Tropfen — deshalb werden diese außerhalb der Augenheilkunde nicht verabreicht. Bei jedem älteren Patienten mit einseitigem Kopfschmerz, Übelkeit und Sehstörung gehört das Auge angesehen und der Bulbus getastet.