Antwort
pDMS steht für periphere Durchblutung, Motorik und Sensibilität. Es ist die Pflichtuntersuchung bei jeder Verletzung einer Extremität — vor und nach jeder Maßnahme.
Diagnostik
Durchblutung: Pulse im Seitenvergleich tasten — an der oberen Extremität Arteria radialis und ulnaris, an der unteren Arteria dorsalis pedis und tibialis posterior —, dazu Hautfarbe, Temperatur und Rekapillarisierungszeit, die unter 2 Sekunden liegen muss. Motorik: aktive Bewegung prüfen, distal beginnend. Am Arm sind es drei Nerven: Radialis über die Streckung des Handgelenks und der Finger, Medianus über die Daumenopposition und das OK-Zeichen, Ulnaris über das Spreizen der Finger. Am Bein: Peroneus über die Fußhebung, Tibialis über die Zehenbeugung. Sensibilität: Berührungsempfinden im Seitenvergleich in den Autonomgebieten prüfen — Radialis am ersten Zwischenfingerraum des Handrückens, Medianus an der Zeigefingerkuppe, Ulnaris an der Kleinfingerkuppe, Peroneus am ersten Zwischenzehenraum.
Therapie
Dokumentiert wird der Befund vor und nach jeder Reposition, Ruhigstellung, Gipsanlage und Operation — sowohl aus medizinischen als auch aus rechtlichen Gründen. Eine Verschlechterung nach der Maßnahme bedeutet sofortiges Handeln: Gips spalten, Reposition überprüfen, gegebenenfalls Revision.
Komplikationen
Fehlende oder schlechte periphere Durchblutung bedeutet Gefäßverletzung oder Kompression und erfordert die dringliche Reposition sowie die gefäßchirurgische Abklärung. Zunehmender Schmerz mit Dehnungsschmerz und Missempfindungen bei erhaltenen Pulsen spricht für ein Kompartmentsyndrom.
Merke
Der Merksatz: pDMS vorher und nachher, immer im Seitenvergleich, immer dokumentiert. Ein nicht erhobener Befund ist im Streitfall ein nicht vorhandener Befund — und eine übersehene Nervenläsion nach Gipsanlage lässt sich sonst nicht mehr zuordnen.