Antwort
Das Kompartmentsyndrom ist ein chirurgischer Notfall. Die einzige kausale Behandlung ist die Spaltung der Faszien; alles andere sind Überbrückungsmaßnahmen.
Diagnostik
Parallel Labor mit Kreatinkinase, Myoglobin, Kalium, Kreatinin und Blutgasanalyse zur Erfassung einer Rhabdomyolyse. Bei Zweifeln Logendruckmessung: Handlungsbedarf ab etwa 30 Millimeter Quecksilbersäule oder bei einer Differenz zum diastolischen Druck unter 30.
Therapie
Sofort alle einengenden Verbände und Gipse zirkulär spalten, auch die Polsterung. Extremität auf Herzhöhe lagern, nicht hochlagern, weil eine Hochlagerung den arteriellen Perfusionsdruck weiter senkt. Ausreichende Analgesie und Sauerstoff. Bestätigt sich der Verdacht, folgt unverzüglich die Dermatofasziotomie aller betroffenen Logen; am Unterschenkel werden alle vier Kompartimente über zwei Inzisionen gespalten. Die Wunde bleibt offen, der Verschluss erfolgt sekundär nach Abschwellen.
Komplikationen
Bei Rhabdomyolyse forcierte Diurese mit reichlich kristalloider Infusion, Kontrolle von Kalium und Nierenfunktion, gegebenenfalls Dialyse. Nekrotisches Gewebe wird bei der Revision abgetragen.
Merke
Die Diagnose ist klinisch, und im Zweifel wird gespalten. Eine unnötige Fasziotomie ist verkraftbar, eine zu späte führt zu Muskelnekrose, Volkmann-Kontraktur oder Amputation.