Antwort
Das hängt von der Dringlichkeit ab. Muss sofort operiert werden, wird mit Prothrombinkomplexkonzentrat antagonisiert; besteht Zeit, genügt Vitamin K.
Klinik
Zur Überbrückung bei hohem Thromboserisiko — mechanische Herzklappe, frische Thrombose, hohes Schlaganfallrisiko bei Vorhofflimmern — wird niedermolekulares Heparin als Bridging eingesetzt. Bei niedrigem Risiko wird auf das Bridging verzichtet, weil es die Blutungsrate erhöht, ohne Thrombosen zu verhindern.
Diagnostik
Gefrorenes Frischplasma ist die schlechtere Wahl: Es wirkt langsamer, erfordert große Volumina von etwa einem Liter mit entsprechender Kreislaufbelastung, muss aufgetaut und blutgruppengleich sein. Es bleibt Reserve, wenn kein Konzentrat verfügbar ist.
Therapie
Bei dringlicher Operation, etwa einer Schenkelhalsfraktur, die innerhalb von 24 Stunden versorgt werden soll: Prothrombinkomplexkonzentrat, dosiert nach Körpergewicht und aktuellem INR, mit dem Ziel eines INR unter 1,5. Es wirkt innerhalb von Minuten, weil es die Faktoren II, VII, IX und X direkt ersetzt. Zusätzlich immer 5 bis 10 Milligramm Vitamin K langsam intravenös — sonst steigt der INR nach wenigen Stunden wieder an, weil die Halbwertszeit des Konzentrats kürzer ist als die Wirkdauer des Phenprocoumons. INR-Kontrolle nach der Gabe. Bei elektivem Eingriff mit mehreren Tagen Vorlauf: Phenprocoumon rechtzeitig absetzen — wegen der langen Halbwertszeit von etwa einer Woche 7 bis 10 Tage vorher — und Vitamin K oral geben, mit INR-Kontrolle.
Merke
Der Merksatz: PPSB wirkt sofort und kurz, Vitamin K wirkt spät und lang — deshalb immer beides zusammen. Und die Schenkelhalsfraktur beim alten Menschen wird innerhalb von 24 Stunden operiert; die Antikoagulation ist ein zu lösendes Problem, kein Grund zum Abwarten.