Antwort
Weil die Gicht eine klinische Diagnose ist und die Harnsäure im akuten Anfall normal oder sogar erniedrigt sein kann. Ein Wert von 6,7 Milligramm pro Deziliter schließt einen Gichtanfall daher nicht aus.
Klinik
Der Grund: Im Anfall fällt Harnsäure als Kristall im Gelenk aus und wird dem Serum entzogen; zusätzlich steigt die renale Ausscheidung unter der Entzündungsreaktion. Bis zu einem Drittel der Patienten hat im Anfall normale Werte. Umgekehrt beweist eine Hyperurikämie keine Gicht, denn die meisten Menschen mit erhöhter Harnsäure erkranken nie.
Diagnostik
Für die Diagnose sprechen der typische Verlauf mit schlagartig einsetzender, hochschmerzhafter Monarthritis, oft nachts, mit Rötung, Überwärmung und extremer Berührungsempfindlichkeit, bevorzugt am Großzehengrundgelenk als Podagra. Beweisend ist der Nachweis negativ doppelbrechender Uratkristalle im Gelenkpunktat unter dem Polarisationsmikroskop. Wichtigste Differenzialdiagnose ist die septische Arthritis, weshalb im Zweifel punktiert wird.
Therapie
Im Anfall NSAR, Colchicin oder Glukokortikoide. Die Harnsäure wird erst im beschwerdefreien Intervall gemessen und gesenkt, mit Allopurinol, Zielwert unter 6 Milligramm pro Deziliter.
Merke
Eine Harnsäuresenkung wird niemals im akuten Anfall begonnen, weil jede rasche Spiegeländerung den Anfall verlängert oder verstärkt. Läuft die Therapie bereits, wird sie aber nicht unterbrochen.