Akutes Nierenversagen, Harnwegsinfekt, Pyelonephritis, Elektrolytstörungen und Dialyse – mit vielen Zahlen, die sicher sitzen müssen.
Beispielfrage 1 von 104 · aus der App
Was ist Kreatinin?
Definition
Kreatinin entsteht als Abbauprodukt aus Kreatin und Kreatinphosphat der Skelettmuskulatur. Es fällt in etwa konstanter Menge pro Tag an, wird glomerulär frei filtriert und praktisch nicht rückresorbiert. Damit eignet es sich als Maß der Nierenfunktion.
Diagnostik
Beurteilt wird nicht der Absolutwert, sondern die daraus geschätzte glomeruläre Filtrationsrate nach der CKD-EPI-Formel, die Alter und Geschlecht berücksichtigt.
Komplikationen
Die Aussagekraft ist begrenzt. Der Wert steigt erst, wenn etwa die Hälfte der Nierenfunktion verloren ist, das ist der sogenannte kreatininblinde Bereich. Muskulöse Menschen haben höhere, alte und kachektische Patienten trotz schlechter Nierenfunktion normale Werte. Bei akutem Nierenversagen hinkt Kreatinin dem tatsächlichen Funktionsverlust um ein bis zwei Tage hinterher.
Merke
Ein normales Kreatinin schließt eine Niereninsuffizienz nicht aus. Bei unklaren Fällen ist Cystatin C das genauere Maß, weil es nicht von der Muskelmasse abhängt.
Beispielfrage 2 von 104 · aus der App
Was ist diabetische Nephropathie?
Definition
Die chronische Nierenschädigung als mikroangiopathische Folge des Diabetes mellitus. Sie ist in Deutschland die häufigste Ursache der dialysepflichtigen Niereninsuffizienz.
Klinik
Der Verlauf ist typisch gestuft: zunächst glomeruläre Hyperfiltration mit erhöhter Filtrationsrate, dann Übertritt kleiner Albuminmengen in den Urin als moderat erhöhte Albuminurie, früher Mikroalbuminurie genannt, danach manifeste Proteinurie und schließlich der Abfall der Filtrationsrate bis zur terminalen Niereninsuffizienz. Histologisch findet sich die noduläre Glomerulosklerose Kimmelstiel-Wilson.
Diagnostik
Screening mindestens jährlich mit dem Albumin-Kreatinin-Quotienten im Spontanurin und der geschätzten glomerulären Filtrationsrate. Ein pathologischer Wert muss innerhalb von drei bis sechs Monaten bestätigt werden, weil Fieber, Sport, Harnwegsinfekt und schlechte Einstellung ihn vorübergehend erhöhen.
Therapie
Blutzuckereinstellung, strenge Blutdruckkontrolle mit einem ACE-Hemmer oder Sartan, das auch bei normalem Blutdruck den Eiweißverlust senkt, dazu ein SGLT-2-Hemmer, der die Progression nachweislich bremst. Weiter Statin, Rauchstopp, Vermeidung nephrotoxischer Substanzen und Anpassung aller renal eliminierten Medikamente.
Merke
Die Albuminurie ist nicht nur ein Nierenmarker, sondern ein starker unabhängiger Prädiktor für kardiovaskuläre Ereignisse. Der Patient stirbt statistisch eher am Herzinfarkt als an der Dialysepflicht.
Beispielfrage 3 von 104 · aus der App
Wann macht man Dialyse?
Antwort
Dialysiert wird bei absoluten Indikationen, die sich mit dem Merkwort AEIOU zusammenfassen lassen: Azidose, Elektrolytentgleisung, Intoxikation, Overload und Urämie.
Klinik
Bei der chronischen Niereninsuffizienz wird nicht nach einem starren Grenzwert entschieden, sondern nach Beschwerden und Verlauf — meist bei einer geschätzten Filtrationsrate zwischen 6 und 10 Millilitern pro Minute, früher bei Beschwerden. Wichtig ist die rechtzeitige Vorbereitung: Der Shunt am Unterarm muss Monate vorher angelegt werden, damit er reifen kann.
Diagnostik
Im Einzelnen: therapierefraktäre metabolische Azidose mit pH unter 7,15 bis 7,2; therapierefraktäre Hyperkaliämie über 6,5 Millimol pro Liter oder mit EKG-Veränderungen; dialysierbare Vergiftungen wie Methanol, Ethylenglykol, Lithium, Salicylate und Metformin mit Laktatazidose; therapierefraktäre Überwässerung mit Lungenödem; urämische Komplikationen mit Perikarditis, Enzephalopathie, Krampfanfall oder Blutungsneigung. Dazu die anhaltende Anurie über etwa 12 Stunden trotz adäquater Therapie.
Therapie
Verfahren: intermittierende Hämodialyse, kontinuierliche Verfahren auf der Intensivstation bei instabilem Kreislauf, sowie die Peritonealdialyse als Heimverfahren.
Merke
Der Merksatz AEIOU ist das, was Prüfer hören wollen. Ergänzend gilt: Der Kreatininwert allein ist keine Dialyseindikation. Man dialysiert den Patienten und seine Komplikationen, nicht die Zahl. Und beim Dialysepatienten schont man die Armvenen — dort wird kein Zugang gelegt und kein Blut abgenommen, weil die Gefäße für den Shunt gebraucht werden.