Antwort
Ein einseitig geschwollenes Bein nach einer Operation hat eine überschaubare Differenzialdiagnose, und die zeitkritischen Ursachen stehen vorn.
Klinik
Das Reperfusionskompartment nach Aufhebung einer Blutsperre oder nach Gefäßeingriff ist der gefährlichste Kandidat: Nach Wiederherstellung der Durchblutung schwillt die Muskulatur durch Ödem massiv an, der Logendruck steigt, und es entsteht ein Kompartmentsyndrom ohne äußere Verletzung. Leitsymptom ist der starke, mit Analgetika kaum beherrschbare Schmerz, verstärkt bei passiver Dehnung; die Fußpulse bleiben lange tastbar.
Diagnostik
Zu bedenken sind: tiefe Beinvenenthrombose als häufigste Ursache, Kompartmentsyndrom besonders nach Reperfusion oder Blutsperre, postoperatives Hämatom oder Nachblutung, Wundinfektion und Erysipel, Lymphödem nach Lymphknotenentfernung, oberflächliche Thrombophlebitis, rupturierte Baker-Zyste sowie ein reaktives Ödem bei Immobilisation.
Therapie
Vorgehen: Inspektion und Umfangsmessung im Seitenvergleich, Pulsstatus, Prüfung der Sensomotorik, Kompressionssonographie zur Thrombosefrage, Labor mit D-Dimeren, CRP und Kreatinkinase. Bei Verdacht auf Kompartmentsyndrom sofortige chirurgische Vorstellung.
Merke
D-Dimere sind postoperativ regelhaft erhöht und deshalb zum Thromboseausschluss unbrauchbar. Hier entscheidet die Sonographie.