Definition
Ein akut aufgetretenes, im Tagesverlauf schwankendes hirnorganisches Syndrom mit Störung von Aufmerksamkeit und Bewusstsein, begleitet von Denkstörungen, Desorientiertheit und häufig Halluzinationen. Der Beginn ist innerhalb von Stunden bis Tagen, und der Zustand ist grundsätzlich reversibel.
Ätiologie
Praktisch immer somatisch verursacht: Infektionen, insbesondere Harnwegsinfekt und Pneumonie, Exsikkose, Elektrolytentgleisungen, Hypoglykämie, Hypoxie, Schmerzen, Harnverhalt, Operationen, Alkohol- und Benzodiazepinentzug sowie anticholinerge Medikamente.
Klinik
Man unterscheidet die hyperaktive Form mit Unruhe und Aggression von der hypoaktiven Form mit Apathie und Somnolenz. Die hypoaktive Form ist häufiger und wird oft übersehen.
Diagnostik
Screening mit einem Instrument wie der Confusion Assessment Method. Parallel Ursachensuche: Labor mit Blutzucker, Elektrolyten, Nierenwerten, CRP, Blutbild, Urinstatus, Blutgasanalyse, Medikamentenanamnese, bei Verdacht kraniale Bildgebung.
Therapie
An erster Stelle die Behandlung der Ursache. Nichtmedikamentös: Reorientierung, Brille und Hörgerät, Tag-Nacht-Rhythmus, frühe Mobilisation, Angehörige einbeziehen. Medikamentös nur bei Eigen- oder Fremdgefährdung, dann niedrig dosiertes Haloperidol. Beim Alkoholentzugsdelir sind dagegen Benzodiazepine und Clomethiazol Mittel der Wahl.
Merke
Delir ist keine Diagnose, sondern ein Symptom. Es geht mit deutlich erhöhter Sterblichkeit einher, also immer nach der körperlichen Ursache suchen.