Kenntnisprüfung Niedersachsen: Neurologie
Beispielfragen mit Antworten

Schlaganfall, Epilepsie, Meningitis, Kopfschmerz und Delir sind kein Pflichtfach, kommen aber über die Notfallmedizin und die Innere Medizin regelmäßig vor.

So üben Sie damit: Frage lesen, laut antworten – erst dann die Antwort lesen und vergleichen. Die Kenntnisprüfung ist ein Gespräch, kein Ankreuztest.

Beispielfrage 1 von 102 · aus der App

Diagnostik bei Schlaganfall?

Antwort

Die Diagnostik läuft parallel zur Behandlung und hat nur ein Ziel: so schnell wie möglich zu klären, ob eine Blutung vorliegt und ob ein großes Gefäß verschlossen ist.

Klinik

Begleitend Labor mit Blutbild, Gerinnung, Elektrolyten und Nierenwerten, 12-Kanal-EKG und zwei venöse Zugänge. Die Ursachensuche mit Duplexsonographie, Echokardiographie und Langzeit-EKG folgt erst nach der Akutversorgung.

Diagnostik

Am Patienten zuerst Blutzucker, weil eine Hypoglykämie jedes fokale Defizit imitieren kann, dazu Vitalparameter, neurologische Untersuchung mit NIHSS und die entscheidende Frage nach dem Symptombeginn beziehungsweise dem letzten Zeitpunkt, an dem der Patient sicher gesund war. Bildgebung ohne Verzögerung: natives kraniales CT zum Blutungsausschluss, CT-Angiographie vom Aortenbogen bis intrakraniell zur Frage eines Gefäßverschlusses. Bei unklarem Zeitfenster oder Wake-up-Stroke zusätzlich Perfusions-CT oder MRT mit Diffusions-FLAIR-Mismatch, um rettbares Gewebe darzustellen.

Merke

Das native CT dient nicht dem Nachweis der Ischämie, sondern dem Ausschluss der Blutung. Ein frischer Infarkt ist darin in den ersten Stunden meist noch gar nicht zu sehen, und ein unauffälliges CT ist genau die Voraussetzung für die Lyse.

Beispielfrage 2 von 102 · aus der App

Was ist der Glasgow Coma Scale?

Antwort

Eine standardisierte Skala zur Einschätzung der Bewusstseinslage, vor allem beim Schädel-Hirn-Trauma. Bewertet werden drei Kategorien: Augenöffnen mit 1 bis 4 Punkten, verbale Antwort mit 1 bis 5 Punkten und beste motorische Reaktion mit 1 bis 6 Punkten.

Diagnostik

Der Summenwert reicht von 3 als schlechtestem bis 15 als bestem Wert. Daraus ergibt sich die Schweregradeinteilung des Schädel-Hirn-Traumas: 13 bis 15 Punkte leicht, 9 bis 12 mittelschwer, 3 bis 8 schwer. Dokumentiert wird immer die beste erzielte Reaktion und möglichst aufgeschlüsselt nach den drei Einzelwerten.

Therapie

Ab 8 Punkten oder darunter sind die Schutzreflexe unsicher; das gilt als Indikation zur Intubation zum Schutz vor Aspiration.

Komplikationen

Die Skala hat Grenzen: Unter Sedierung, bei Intubation, bei Aphasie oder bei schwerer Gesichtsverletzung ist sie nur eingeschränkt verwertbar. Sie ersetzt außerdem nicht die Prüfung von Pupillenweite und -reaktion sowie von Seitenzeichen.

Merke

Wichtiger als der Absolutwert ist der Verlauf. Ein Abfall um zwei oder mehr Punkte ist ein Alarmzeichen und erfordert sofortige Bildgebung.

Beispielfrage 3 von 102 · aus der App

Was ist der Unterschied zwischen Delir und Demenz?

Antwort

Beide stören die Kognition, unterscheiden sich aber in Beginn, Verlauf und Aufmerksamkeit.

Klinik

Halluzinationen, meist optisch, und ein gestörter Schlaf-Wach-Rhythmus sprechen für ein Delir. Die hypoaktive Form mit Apathie und Somnolenz ist häufiger als die hyperaktive und wird oft als Demenz oder Depression fehlgedeutet.

Diagnostik

Das Delir beginnt akut innerhalb von Stunden bis Tagen, schwankt im Tagesverlauf mit Verschlechterung abends und nachts, und die Aufmerksamkeit ist im Kern gestört: Der Patient ist nicht zu fesseln, der Bewusstseinsgrad wechselt. Es ist prinzipiell reversibel und hat fast immer eine somatische Ursache. Die Demenz beginnt schleichend über Monate bis Jahre, verläuft langsam progredient und weitgehend stabil über den Tag, die Aufmerksamkeit ist lange erhalten, das Bewusstsein klar. Im Vordergrund stehen Gedächtnis- und Werkzeugstörungen. Sie ist in der Regel nicht reversibel.

Therapie

Beim Delir Ursachensuche und -behandlung, Reorientierung, Brille und Hörgerät, frühe Mobilisation; Medikamente nur bei Gefährdung. Bei der Demenz Antidementiva, Betreuung und Milieugestaltung.

Merke

Beides schließt sich nicht aus, im Gegenteil: Eine Demenz ist der stärkste Risikofaktor für ein Delir. Eine plötzliche Verschlechterung bei bekanntem Demenzkranken ist ein Delir, bis eine somatische Ursache ausgeschlossen ist.

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