Fachsprachprüfung · Neurologie · Beispielfall aus der App „FSP Trainer“

FSP-Fall Apoplex
Anamnesegespräch, Anamnesebogen, Patientenvorstellung, Prüferfragen und Fachbegriffe

So läuft ein Fall durch alle Teile der Fachsprachprüfung: Erst das Gespräch mit Ingrid Reinhardt – Zug für Zug, und zu jedem Zug die Zeile, die daraus im Anamnesebogen entsteht. Dann die Vorstellung vor der Prüferin, die Nachfragen der Kommission und die Fachbegriffe, die in diesem Fall fallen. Verdachtsdiagnose: Ischämischer Hirninfarkt im Mediastromgebiet links.

Patientin: Ingrid Reinhardt, 73 Jahre, 162 cm, 78,0 kg – Patientin in der Notaufnahme. Alle Personen sind erfunden.

1. Das Anamnesegespräch (21 Züge)

Links die Ärztin, rechts die Patientin; darunter in Grün die Zeile für den Bogen und gelegentlich ein Tipp, worauf die Kommission achtet. Lesen Sie die Patientenantwort und formulieren Sie die nächste Frage selbst, bevor Sie weiterlesen.

Personalien

ÄrztinGuten Tag, mein Name ist Dr. Sahin, ich bin Ärztin hier in der Notaufnahme. Wie heißen Sie bitte?

PatientinIngrid Reinhardt. Entschuldigen Sie, das Sprechen fällt mir gerade schwer.

BogenIngrid Reinhardt; Dysarthrie im Gespräch auffällig

TippWas Ihnen im Gespräch selbst auffällt, ist bereits ein Befund. Notieren Sie die verwaschene Sprache sofort — sie ist Teil der Symptomatik.

ÄrztinLassen Sie sich ruhig Zeit. Wann sind Sie geboren?

PatientinFünfter November 1951.

Bogengeb. 05.11.1951, 73 Jahre, 1,62 m, 78 kg (BMI 29,7 kg/m²)

TippBei Sprachstörung Geduld zeigen und das ausdrücklich sagen. Die Kommission achtet genau darauf, wie Sie mit der Einschränkung umgehen.

Aktuelle Beschwerden

ÄrztinWas ist passiert?

PatientinHeute Morgen beim Frühstück ist mir plötzlich die Tasse aus der rechten Hand gefallen. Und der rechte Arm fühlt sich taub an.

Bogenplötzliche Schwäche und Hypästhesie des rechten Arms

TippDer plötzliche Beginn ist beim Schlaganfall das entscheidende Merkmal. Fragen Sie sofort nach dem genauen Zeitpunkt.

ÄrztinWissen Sie noch genau, wie spät es war, als es angefangen hat?

PatientinEtwa Viertel nach acht. Mein Mann war dabei, er hat sofort den Notruf gewählt.

BogenSymptombeginn 08:15 Uhr, fremdanamnestisch durch den Ehemann bestätigt — Zeitfenster bekannt

TippDiese Frage ist die wichtigste des ganzen Falls. Vom Zeitfenster hängt ab, ob lysiert werden darf. Fragen Sie immer nach einem Zeugen.

ÄrztinIst außer dem Arm noch etwas betroffen — das Bein, das Gesicht?

PatientinMein Mann sagt, mein Mundwinkel hängt rechts. Das Bein geht, aber es ist schwerer als sonst.

Bogenfaziale Parese rechts, armbetonte Hemiparese rechts, Bein leichter betroffen

TippDie armbetonte Halbseitenlähmung mit Gesichtsbeteiligung spricht für das Mediastromgebiet. Diese Zuordnung sollten Sie nennen können.

ÄrztinHaben Sie Schwierigkeiten, die richtigen Wörter zu finden, oder mich zu verstehen?

PatientinVerstehen kann ich Sie gut. Aber manchmal fällt mir das Wort nicht ein, und die Zunge gehorcht nicht richtig.

BogenWortfindungsstörung bei erhaltenem Sprachverständnis, Dysarthrie — V. a. motorische Aphasie

TippAphasie und Dysarthrie sauber trennen: Aphasie betrifft die Sprache, Dysarthrie das Sprechen. Der Unterschied wird sicher geprüft.

ÄrztinSehen Sie doppelt oder verschwommen? Ist Ihnen schwindelig?

PatientinNein, sehen kann ich normal. Schwindelig ist mir auch nicht.

Bogenkeine Diplopie, keine Sehstörung, kein Vertigo

TippMit diesen Fragen grenzen Sie das vertebrobasiläre Stromgebiet ab. Auch der negative Befund gehört dokumentiert.

ÄrztinHatten Sie Kopfschmerzen? Ist Ihnen übel, mussten Sie erbrechen?

PatientinNein, Kopfschmerzen habe ich keine. Übel ist mir auch nicht.

Bogenkeine Cephalgie, keine Nausea, kein Vomitus

TippHeftiger Kopfschmerz mit Erbrechen spräche eher für eine Blutung. Das Fehlen ist ein Argument, aber kein Beweis — das CT entscheidet.

ÄrztinWaren Sie zwischendurch bewusstlos? Hatten Sie einen Krampfanfall?

PatientinNein, ich war die ganze Zeit wach.

Bogenkeine Synkope, kein Krampfanfall, durchgehend wach und orientiert

ÄrztinHatten Sie so etwas schon einmal, auch wenn es nur kurz war und von selbst wieder wegging?

PatientinVor vier Wochen war meine rechte Hand für ein paar Minuten taub. Das ging von allein weg, da bin ich nicht zum Arzt.

Bogenvor 4 Wochen vorübergehende Hypästhesie der rechten Hand, spontan rückläufig — V. a. abgelaufene TIA

TippDiese Frage darf nie fehlen. Eine TIA in den Wochen zuvor ist ein Warnsignal und muss in der Vorstellung genannt werden.

PatientinWerde ich wieder normal sprechen können?

ÄrztinDas kann ich Ihnen jetzt noch nicht sicher sagen. Was ich Ihnen sagen kann: Sie sind schnell hier, und das ist die beste Voraussetzung. Wir machen sofort eine Aufnahme vom Kopf und entscheiden dann über die Behandlung. Viele Patienten erholen sich mit Logopädie und Krankengymnastik deutlich.

TippKeine Prognose versprechen. Aber benennen, was günstig ist, und die konkreten nächsten Schritte nennen — das gibt Halt.

Vegetative Anamnese

ÄrztinKönnen Sie normal schlucken? Haben Sie sich beim Trinken verschluckt?

PatientinHeute Morgen habe ich mich beim Kaffee verschluckt, ja.

BogenDysphagie mit Verschlucken — Aspirationsgefahr

TippDie Schluckstörung ist unmittelbar handlungsrelevant: bis zum Schlucktest bleibt die Patientin nüchtern. Sagen Sie das in der Therapie.

ÄrztinWie sind Appetit, Gewicht und Schlaf sonst?

PatientinAlles unverändert.

Bogenvegetative Anamnese im Übrigen unauffällig

Vorerkrankungen

ÄrztinWelche Erkrankungen sind bei Ihnen bekannt?

PatientinVorhofflimmern seit drei Jahren, Bluthochdruck seit zwanzig, Zucker seit zehn Jahren und erhöhte Blutfette.

BogenVorhofflimmern seit 3 J.; aHT seit 20 J.; DM Typ 2 seit 10 J.; Hyperlipidämie

TippVorhofflimmern plus Schlaganfall bedeutet fast immer kardioembolische Genese. Das ist die zentrale Information des Falls.

Voroperationen

ÄrztinSind Sie schon einmal operiert worden?

PatientinEine neue Hüfte rechts vor sechs Jahren. Und die Gebärmutter vor dreißig Jahren.

BogenHüft-TEP rechts vor 6 J.; Hysterektomie vor 30 J.

Medikamente

ÄrztinWelche Medikamente nehmen Sie ein?

PatientinApixaban zweimal täglich, Metformin, Ramipril, Bisoprolol und Atorvastatin.

BogenApixaban 5 mg 1-0-1 (DOAK); Metformin; Ramipril; Bisoprolol; Atorvastatin

TippBei einem Schlaganfall unter Antikoagulation immer nach der letzten Einnahme fragen — davon hängt die Lysefähigkeit ab.

ÄrztinWann haben Sie das Apixaban zuletzt genommen? Und nehmen Sie es wirklich regelmäßig?

PatientinGestern Abend. Ehrlich gesagt vergesse ich es manchmal, vielleicht zweimal die Woche.

Bogenletzte Apixaban-Einnahme gestern Abend; unregelmäßige Einnahme (ca. 2 ×/Woche vergessen) — eingeschränkte Adhärenz

TippNach der Einnahmetreue direkt und wertfrei fragen. Hier erklärt sie den Schlaganfall trotz Antikoagulation.

Allergien

ÄrztinHaben Sie Allergien?

PatientinGegen Penicillin, davon bekomme ich einen Ausschlag.

BogenPenicillinallergie (Exanthem)

Noxen

ÄrztinRauchen Sie? Trinken Sie Alkohol?

PatientinIch habe vor fünfzehn Jahren aufgehört, davor zehn Zigaretten am Tag ab dem zwanzigsten Lebensjahr. Alkohol nur zu Feiertagen.

BogenEx-Raucherin seit 15 J., zuvor 10 Zig./d — 19 pack years; C2 selten

Familienanamnese

ÄrztinGibt es Erkrankungen in Ihrer Familie?

PatientinMeine Mutter ist mit 78 an einem Schlaganfall gestorben. Mein Bruder hat auch Vorhofflimmern.

BogenMutter † mit 78 J. an Apoplex; Bruder: Vorhofflimmern

Sozialanamnese

ÄrztinWie leben Sie? Kommen Sie zu Hause allein zurecht?

PatientinIch bin Rentnerin, früher Buchhalterin. Ich wohne mit meinem Mann, wir kommen gut zurecht. Zwei Kinder, beide gesund.

BogenRentnerin, zuvor Buchhalterin; lebt mit dem Ehemann, vor dem Ereignis selbstständig; 2 gesunde Kinder

TippDie Selbstständigkeit vor dem Ereignis ist die Bezugsgröße für Rehabilitation und Entlassungsplanung. Immer erfragen.

2. Der Anamnesebogen

Das ist die Dokumentation, die aus dem Gespräch entstanden ist – knapp, in Fachsprache, mit den Zahlen, die in der Prüfung abgefragt werden.

Anamnesebogen – so sollte er am Ende aussehen
PersonalienIngrid Reinhardt; Dysarthrie im Gespräch auffällig
geb. 05.11.1951, 73 Jahre, 1,62 m, 78 kg (BMI 29,7 kg/m²)
Aktuelle Beschwerdenplötzliche Schwäche und Hypästhesie des rechten Arms
Symptombeginn 08:15 Uhr, fremdanamnestisch durch den Ehemann bestätigt — Zeitfenster bekannt
faziale Parese rechts, armbetonte Hemiparese rechts, Bein leichter betroffen
Wortfindungsstörung bei erhaltenem Sprachverständnis, Dysarthrie — V. a. motorische Aphasie
keine Diplopie, keine Sehstörung, kein Vertigo
keine Cephalgie, keine Nausea, kein Vomitus
keine Synkope, kein Krampfanfall, durchgehend wach und orientiert
vor 4 Wochen vorübergehende Hypästhesie der rechten Hand, spontan rückläufig — V. a. abgelaufene TIA
Vegetative AnamneseDysphagie mit Verschlucken — Aspirationsgefahr
vegetative Anamnese im Übrigen unauffällig
VorerkrankungenVorhofflimmern seit 3 J.; aHT seit 20 J.; DM Typ 2 seit 10 J.; Hyperlipidämie
VoroperationenHüft-TEP rechts vor 6 J.; Hysterektomie vor 30 J.
MedikamenteApixaban 5 mg 1-0-1 (DOAK); Metformin; Ramipril; Bisoprolol; Atorvastatin
letzte Apixaban-Einnahme gestern Abend; unregelmäßige Einnahme (ca. 2 ×/Woche vergessen) — eingeschränkte Adhärenz
AllergienPenicillinallergie (Exanthem)
NoxenEx-Raucherin seit 15 J., zuvor 10 Zig./d — 19 pack years; C2 selten
FamilienanamneseMutter † mit 78 J. an Apoplex; Bruder: Vorhofflimmern
SozialanamneseRentnerin, zuvor Buchhalterin; lebt mit dem Ehemann, vor dem Ereignis selbstständig; 2 gesunde Kinder

3. Die Patientenvorstellung

Der dritte Prüfungsteil: Sie stellen den Fall einer Ärztin oder einem Arzt vor – wie bei einer Übergabe, blockweise und ohne Umgangssprache.

Vorstellung der Patientin

Ich stelle Ihnen Frau Ingrid Reinhardt vor, eine 73-jährige Patientin, 1,62 m groß und 78 kg schwer, bei einem BMI von 29,7 kg/m². Sie wurde heute Vormittag mit dem Rettungsdienst in unsere Notaufnahme gebracht.

TippBeim Notfallpatienten immer sagen, wie er gekommen ist. Das signalisiert die Dringlichkeit.

Aktuelle Anamnese

Die Patientin berichtet über einen um 8:15 Uhr plötzlich aufgetretenen Kraftverlust und ein Taubheitsgefühl des rechten Armes; der Symptombeginn wurde vom Ehemann als Zeugen bestätigt. Zusätzlich bestehen eine faziale Parese rechts, eine armbetonte Hemiparese rechts, eine Dysarthrie sowie Wortfindungsstörungen bei erhaltenem Sprachverständnis im Sinne einer motorischen Aphasie. Weiterhin besteht eine Dysphagie mit Verschlucken. Kopfschmerzen, Nausea, Vomitus, Doppelbilder, Schwindel, Bewusstlosigkeit und ein Krampfanfall wurden verneint. Anamnestisch bestand vor vier Wochen eine für einige Minuten anhaltende, spontan rückläufige Hypästhesie der rechten Hand im Sinne einer transitorischen ischämischen Attacke.

TippDie Uhrzeit gehört in den ersten Satz. Sie ist die klinisch folgenreichste Angabe des gesamten Falls.

Vorgeschichte

An Vorerkrankungen bestehen ein Vorhofflimmern seit drei Jahren, eine arterielle Hypertonie seit zwanzig Jahren, ein Diabetes mellitus Typ 2 seit zehn Jahren sowie eine Hyperlipidämie. Voroperationen sind eine Hüft-Totalendoprothese rechts vor sechs Jahren und eine Hysterektomie vor dreißig Jahren. Die Patientin nimmt Apixaban 5 mg zweimal täglich, Metformin, Ramipril, Bisoprolol und Atorvastatin ein; die letzte Apixaban-Einnahme war gestern Abend, die Einnahme erfolgt jedoch unregelmäßig mit etwa zwei vergessenen Dosen pro Woche. Es besteht eine Penicillinallergie mit Exanthem. Sie ist Ex-Raucherin mit 19 pack years bei seltenem Alkoholkonsum. Die Mutter verstarb mit 78 Jahren an einem Apoplex, der Bruder hat ebenfalls ein Vorhofflimmern. Die Patientin ist Rentnerin, lebt mit ihrem Ehemann und war zuvor selbstständig.

TippDie unregelmäßige Einnahme ausdrücklich nennen. Sie erklärt, warum der Schlaganfall trotz Antikoagulation eintrat.

Verdachtsdiagnose

Aufgrund der Anamnese stelle ich die Verdachtsdiagnose eines akuten ischämischen Hirninfarkts im Mediastromgebiet links, am ehesten kardioembolischer Genese bei Vorhofflimmern mit eingeschränkter Einnahmetreue der oralen Antikoagulation.

TippSeite und Stromgebiet benennen: rechtsseitige Symptomatik bedeutet linkshemisphärische Läsion. Diese Umkehr wird gern geprüft.

Differentialdiagnosen

Differentialdiagnostisch kommen eine intrazerebrale Blutung, eine Subarachnoidalblutung, eine transitorische ischämische Attacke, eine Hypoglykämie, ein postiktaler Zustand nach unbeobachtetem Krampfanfall im Sinne einer Todd-Parese, eine Migräne mit Aura sowie ein Hirntumor oder eine Sinusvenenthrombose in Betracht.

TippDie Hypoglykämie immer nennen — sie ist die häufigste und am schnellsten behebbare Ursache eines Schlaganfall-Mimics.

Diagnostik

Zur Abklärung schlage ich vor: unverzüglich einen Blutzucker-Schnelltest, die Erhebung des NIHSS, ein natives CT des Schädels zum Blutungsausschluss, ergänzt durch eine CT-Angiographie und Perfusions-CT, alternativ ein MRT. Weiterhin ein 12-Kanal-EKG mit Langzeit-EKG, ein Labor mit großem Blutbild, Gerinnung einschließlich Anti-Xa-Aktivität, Elektrolyten, Nieren- und Leberwerten, CRP, HbA1c und Lipidstatus, eine Doppler- und Duplexsonographie der hirnversorgenden Arterien, eine transthorakale und gegebenenfalls transösophageale Echokardiographie sowie einen standardisierten Schlucktest.

TippBlutzucker vor allem anderen, dann das native CT. Diese Reihenfolge ist die Antwort auf die Frage nach dem ersten Schritt.

Therapie

Ich würde die Patientin auf die Stroke Unit aufnehmen. Nach Blutungsausschluss ist bei einem Zeitfenster unter viereinhalb Stunden eine systemische Thrombolyse zu prüfen — hier ist allerdings die Einnahme von Apixaban gestern Abend zu berücksichtigen, weshalb die Anti-Xa-Aktivität abgewartet und gegebenenfalls eine mechanische Thrombektomie bevorzugt werden sollte. Weiterhin Monitoring von Blutdruck, Blutzucker, Temperatur und Sauerstoffsättigung, Nahrungskarenz bis zum Schlucktest, Thromboseprophylaxe sowie der frühe Beginn von Physiotherapie, Ergotherapie und Logopädie. Sekundärprophylaktisch die Wiederaufnahme der oralen Antikoagulation zum geeigneten Zeitpunkt mit ausdrücklicher Schulung zur regelmäßigen Einnahme.

TippDass die Antikoagulation die Lyse einschränkt, müssen Sie aktiv ansprechen. Genau daran erkennt die Kommission, ob Sie mitdenken.

4. Prüferfragen (12)

Nach der Vorstellung fragt die Kommission nach. Die Antworten sind kurz und mündlich gedacht; das Fettgedruckte sind die Begriffe, die fallen müssen.

Einteilung

Welche Formen des Schlaganfalls kennen Sie?

Etwa 80 bis 85 Prozent sind ischämisch durch Gefäßverschluss, 10 bis 15 Prozent sind intrazerebrale Blutungen und etwa 5 Prozent Subarachnoidalblutungen. Die Ischämien werden nach der TOAST-Klassifikation eingeteilt in makroangiopathisch, kardioembolisch, mikroangiopathisch — die lakunären Infarkte —, andere Ursachen und ungeklärte Genese.

TippDie Prozentzahlen nennen. Sie zeigen, dass Sie die Häufigkeiten und damit die Vortestwahrscheinlichkeit kennen.

Diagnostik

Warum machen Sie als Erstes ein natives CT?

Um eine Blutung auszuschließen. Eine Lyse bei intrazerebraler Blutung wäre fatal. Das native CT zeigt frisches Blut sofort als hyperdense Struktur, während der frische Infarkt in den ersten Stunden oft noch nicht sichtbar ist. Frühzeichen sind das hyperdense Mediazeichen, die verstrichene Mark-Rinden-Grenze und das verstrichene Inselband.

TippDer Kernsatz ist: Das CT wird nicht gemacht, um den Infarkt zu sehen, sondern um die Blutung auszuschließen.

Therapie

Welches Zeitfenster gilt für die Lyse, und wie heißt das Medikament?

Die systemische Thrombolyse mit rt-PA, also Alteplase, ist innerhalb von viereinhalb Stunden nach Symptombeginn zugelassen. Je früher, desto besser — daher der Grundsatz time is brain. Bei unklarem Zeitfenster kann über ein Mismatch in MRT oder Perfusions-CT dennoch eine Indikation bestehen. Die mechanische Thrombektomie ist bei Verschluss großer Gefäße bis 6 Stunden, in ausgewählten Fällen bis 24 Stunden möglich.

TippViereinhalb Stunden und Alteplase müssen ohne Zögern kommen. Das ist die meistgestellte Frage zu diesem Fall.

Therapie

Nennen Sie Kontraindikationen der Lyse.

Eine intrakranielle Blutung, ein Schlaganfall oder Schädel-Hirn-Trauma in den letzten drei Monaten, eine größere Operation in den letzten zwei Wochen, eine aktive Blutung, ein Blutdruck über 185 zu 110 trotz Therapie, ein Blutzucker unter 50 mg/dl, eine Thrombozytopenie unter 100.000 sowie eine therapeutische Antikoagulation — bei unserer Patientin unter Apixaban ist genau das die Einschränkung.

TippDen Fallbezug herstellen. Eine Aufzählung ohne Anwendung auf die Patientin wirkt auswendig gelernt.

Score

Was ist der CHA₂DS₂-VASc-Score?

Ein Score zur Abschätzung des Schlaganfallrisikos bei Vorhofflimmern. C Herzinsuffizienz, H Hypertonie, A₂ Alter ab 75 mit zwei Punkten, D Diabetes, S₂ früherer Schlaganfall oder TIA mit zwei Punkten, V Gefäßerkrankung, A Alter 65 bis 74 und Sc weibliches Geschlecht. Ab einem Punkt beim Mann und zwei Punkten bei der Frau besteht die Indikation zur oralen Antikoagulation.

TippDiesen Score sollten Sie für die Patientin auch ausrechnen können — sie kommt auf einen hohen Wert.

Neurologie

Was ist der Unterschied zwischen Aphasie und Dysarthrie?

Die Aphasie ist eine Störung der Sprache selbst — des Wortfindens, des Verstehens, des Lesens und Schreibens — bei intakter Sprechmotorik. Die Dysarthrie ist eine Störung des Sprechens, also der motorischen Umsetzung: die Sprache ist verwaschen, aber Inhalt und Verständnis bleiben erhalten. Unsere Patientin hat beides.

TippMerksatz: Bei der Aphasie ist das Sprachzentrum betroffen, bei der Dysarthrie die Muskulatur.

Neurologie

Welche Aphasieformen kennen Sie?

Die motorische Aphasie nach Broca mit stockender, telegrammartiger Sprache bei erhaltenem Verständnis; die sensorische Aphasie nach Wernicke mit flüssiger, aber inhaltsleerer Sprache und gestörtem Verständnis; die globale Aphasie als Kombination beider und die amnestische Aphasie mit im Vordergrund stehender Wortfindungsstörung.

TippBroca liegt frontal und ist motorisch, Wernicke temporal und sensorisch. Diese Zuordnung wird oft nachgefragt.

Anatomie

Warum ist bei rechtsseitiger Lähmung die linke Hirnhälfte betroffen?

Weil die Bahnen der Pyramidenbahn im Tractus corticospinalis in der Medulla oblongata zur Gegenseite kreuzen — die sogenannte Decussatio pyramidum. Deshalb steuert jede Hemisphäre die kontralaterale Körperhälfte. Bei den meisten Menschen liegen zudem die Sprachzentren links, weshalb die rechtsseitige Lähmung häufig mit einer Aphasie einhergeht.

TippDen Zusammenhang zwischen linker Hemisphäre, rechtsseitiger Lähmung und Aphasie in einem Satz herstellen — das überzeugt.

Notfall

Was ist der FAST-Test?

Ein Schnelltest für Laien und Rettungsdienst: F für Face — den Patienten lächeln lassen und auf einen hängenden Mundwinkel achten, A für Arms — beide Arme nach vorn strecken lassen und auf Absinken achten, S für Speech — einen einfachen Satz nachsprechen lassen, T für Time — sofort den Notruf wählen und den Zeitpunkt merken.

TippDiese Frage kommt auch als Aufklärungsfrage für Angehörige. Dann in Alltagssprache antworten.

Therapie

Warum lassen Sie die Patientin zunächst nüchtern?

Wegen der Dysphagie und der damit verbundenen Aspirationsgefahr. Eine Aspiration kann zur Aspirationspneumonie führen, einer der häufigsten und gefährlichsten Komplikationen nach Schlaganfall. Erst nach einem standardisierten Schlucktest wird der Kostaufbau begonnen; bis dahin erfolgt die Flüssigkeitszufuhr intravenös.

Prävention

Wie sieht die Sekundärprophylaxe aus?

Bei kardioembolischer Genese die orale Antikoagulation, hier mit einem DOAK, zeitlich gestaffelt nach Infarktgröße gemäß der 1-3-6-12-Regel. Bei makroangiopathischer Genese dagegen ein Thrombozytenaggregationshemmer plus Statin. Hinzu kommen die konsequente Einstellung von Blutdruck, Blutzucker und Lipiden, Nikotinkarenz, Gewichtsreduktion und Bewegung. Bei dieser Patientin ist zusätzlich die Einnahmetreue das entscheidende Thema.

TippKardioembolisch heißt antikoagulieren, makroangiopathisch heißt Plättchenhemmer. Diese Weiche muss sitzen.

Aufklärung

Der Ehemann fragt, warum der Schlaganfall trotz Blutverdünner kam.

Ein Blutverdünner senkt das Risiko deutlich, aber er beseitigt es nicht vollständig. Entscheidend ist außerdem, dass er wirklich jeden Tag eingenommen wird — der Schutz besteht nur, solange der Wirkstoff im Blut ist. Ihre Frau hat die Tabletten nach eigenen Angaben etwa zweimal pro Woche vergessen, und dadurch entstehen Lücken im Schutz. Wir werden das gemeinsam besprechen und überlegen, wie die Einnahme im Alltag zuverlässiger gelingt.

TippSachlich erklären, ohne der Patientin Schuld zu geben. Und immer mit einem Lösungsangebot enden.

5. Fachbegriffe dieses Falls (26)

Im Patientengespräch sprechen Sie die linke Spalte, in Bogen und Vorstellung die rechte.

Deutsch ↔ Fachsprache
UmgangsspracheFachbegriffGebiet
SchlaganfallApoplex, InsultDiagnose
vorübergehende Durchblutungsstörung des Gehirnstransitorische ischämische Attacke (TIA)Diagnose
HalbseitenlähmungHemipareseSymptom
Vollständige Lähmung heißt Hemiplegie.
Gesichtslähmungfaziale PareseSymptom
SprachstörungAphasieSymptom
Betrifft die Sprache selbst, nicht das Sprechen.
verwaschenes SprechenDysarthrieSymptom
SchluckstörungDysphagieSymptom
vermindertes BerührungsempfindenHypästhesieSymptom
DoppeltsehenDiplopieSymptom
SchwindelVertigoSymptom
kurze BewusstlosigkeitSynkopeSymptom
VorhofflimmernFibrillatio atriorumDiagnose
Blutung ins Gehirnintrazerebrale BlutungDiagnose
Blutung unter die SpinnwebshautSubarachnoidalblutungDiagnose
UnterzuckerungHypoglykämieBefund
Einatmen von Speisen in die LuftwegeAspirationBefund
auf der GegenseitekontralateralAnatomie
mittlere HirnarterieArteria cerebri mediaAnatomie
verlängertes MarkMedulla oblongataAnatomie
Auflösung eines Blutgerinnsels durch MedikamenteThrombolyse, LyseTherapie
mechanische Entfernung eines GerinnselsThrombektomieTherapie
SprachtherapieLogopädieTherapie
KrankengymnastikPhysiotherapieTherapie
künstliches HüftgelenkHüft-Totalendoprothese (TEP)Therapie
EinnahmetreueAdhärenz, ComplianceBefund
vermindertes Sehen, SehstörungAmaurosis fugaxSymptom
Vorübergehende einseitige Erblindung — ein Warnzeichen für Karotisstenose.

Vier Apps für die Fachsprachprüfung

Jede App ist eigenständig und wird einzeln gekauft; die Beschreibungen sind die der Store-Seiten. Der Fall oben stammt aus „FSP Trainer“.

Die anderen Beispielfälle

Alle FSP-Beispielfälle · Wie die Fachsprachprüfung abläuft · Mit einem Prüfungspaten üben