Fachsprachprüfung · Chirurgie · Beispielfall aus der App „FSP Trainer“

FSP-Fall Akute Appendizitis
Anamnesegespräch, Anamnesebogen, Patientenvorstellung, Prüferfragen und Fachbegriffe

So läuft ein Fall durch alle Teile der Fachsprachprüfung: Erst das Gespräch mit Nina Vogel – Zug für Zug, und zu jedem Zug die Zeile, die daraus im Anamnesebogen entsteht. Dann die Vorstellung vor der Prüferin, die Nachfragen der Kommission und die Fachbegriffe, die in diesem Fall fallen. Verdachtsdiagnose: Akute Appendizitis.

Patientin: Nina Vogel, 27 Jahre, 172 cm, 61,0 kg – Patientin in der Notaufnahme. Alle Personen sind erfunden.

1. Das Anamnesegespräch (23 Züge)

Links die Ärztin, rechts die Patientin; darunter in Grün die Zeile für den Bogen und gelegentlich ein Tipp, worauf die Kommission achtet. Lesen Sie die Patientenantwort und formulieren Sie die nächste Frage selbst, bevor Sie weiterlesen.

Personalien

ÄrztinGuten Tag, mein Name ist Dr. Sahin, ich bin Ärztin hier in der Notaufnahme. Wie heißen Sie bitte? Könnten Sie Ihren Namen bitte buchstabieren?

PatientinNina Vogel. V-O-G-E-L.

BogenNina Vogel

TippUm das Buchstabieren zu bitten ist erlaubt und sinnvoll. Es zeigt, dass Ihnen die richtige Schreibweise in der Akte wichtig ist.

ÄrztinWann sind Sie geboren? Wie groß sind Sie und wie viel wiegen Sie?

Patientin14. Juni 1997. 1,72 m und 61 Kilo.

Bogengeb. 14.06.1997, 27 Jahre, 1,72 m, 61 kg (BMI 20,6 kg/m²)

Aktuelle Beschwerden

ÄrztinWas führt Sie zu uns?

PatientinIch habe seit drei Tagen Bauchschmerzen, und sie werden immer schlimmer.

BogenBauchschmerzen seit 3 Tagen, progredient

ÄrztinKönnen Sie mir zeigen, wo genau die Schmerzen sitzen?

PatientinJetzt hier unten rechts. Am Anfang war es aber eher um den Bauchnabel herum.

Bogenaktuell rechter Unterbauch, initial periumbilikal — Schmerzwanderung

TippDie Schmerzwanderung von periumbilikal nach rechts unten ist das Leitsymptom der Appendizitis. Fragen Sie ausdrücklich danach — die Patientin nennt es sonst oft nicht von selbst.

ÄrztinWie würden Sie den Schmerz beschreiben, und wie stark ist er auf einer Skala von eins bis zehn?

PatientinErst war es dumpf, jetzt ist es scharf und dauernd da. Ungefähr sieben.

Bogeninitial dumpf, jetzt scharf und dauerhaft, 7/10 auf der NRS

TippDie Schmerzskala immer erfragen und den Wert dokumentieren. Er ist die einzige Verlaufsgröße, die Sie beim Schmerz haben.

ÄrztinWerden die Schmerzen beim Gehen oder Hüpfen schlimmer?

PatientinJa, sehr. Der Weg hierher war furchtbar, jede Erschütterung tut weh.

BogenErschütterungsschmerz positiv, Verstärkung bei Bewegung

TippEin positiver Erschütterungsschmerz spricht für eine peritoneale Reizung. Das ist Anamnese, nicht erst körperliche Untersuchung.

ÄrztinHatten Sie Fieber? Haben Sie gemessen?

PatientinJa, gestern Abend 39,9. Und ich hatte Schüttelfrost.

BogenFieber bis 39,9 °C, Schüttelfrost

ÄrztinIst Ihnen übel? Mussten Sie erbrechen? Wie ist der Stuhlgang?

PatientinÜbel ist mir dauernd, erbrochen habe ich zweimal. Durchfall hatte ich einmal gestern.

BogenNausea, Vomitus (2 ×), einmalige Diarrhö

TippBei der Appendizitis steht die Übelkeit typischerweise nach dem Schmerz. Umgekehrte Reihenfolge spricht eher für eine Gastroenteritis.

ÄrztinHaben Sie Appetit?

PatientinÜberhaupt nicht, seit drei Tagen habe ich fast nichts gegessen.

Bogenausgeprägte Inappetenz seit 3 Tagen

TippDie Appetitlosigkeit ist bei der Appendizitis so verlässlich, dass ihr Fehlen die Diagnose unwahrscheinlicher macht.

ÄrztinHaben Sie Beschwerden beim Wasserlassen — Brennen oder häufigen Harndrang?

PatientinNein, das ist normal.

Bogenkeine Dysurie, keine Algurie

TippDer Ausschluss urologischer Beschwerden trennt die Appendizitis vom Harnwegsinfekt und vom Harnleiterstein.

ÄrztinIch muss Sie noch etwas Persönliches fragen. Wann hatten Sie Ihre letzte Regelblutung? Könnten Sie schwanger sein?

PatientinDie Blutung war vor zwei Wochen, ganz normal. Schwanger bin ich sicher nicht, ich lebe in einer Beziehung mit einer Frau.

Bogenletzte Regelblutung vor 2 Wochen, regelmäßiger Zyklus, Schwangerschaft unwahrscheinlich

TippDiese Frage ist bei jeder Frau im gebärfähigen Alter mit Unterbauchschmerz Pflicht — die Extrauteringravidität ist lebensbedrohlich. Ein β-HCG wird trotzdem bestimmt.

ÄrztinHaben Sie Ausfluss oder Blutungen aus der Scheide bemerkt?

PatientinNein.

Bogenkein Fluor vaginalis, keine vaginale Blutung

TippDamit grenzen Sie die Adnexitis ab. Die gynäkologische Abklärung bleibt trotzdem im Diagnostikplan.

PatientinMein Hausarzt hat mich vor drei Tagen untersucht und nichts gefunden. Wie kann das sein?

ÄrztinDas ist gar nicht ungewöhnlich. Eine Blinddarmentzündung entwickelt sich über Stunden bis Tage, und am Anfang findet man bei der Untersuchung oft noch nichts. Gut, dass Sie jetzt gekommen sind — wir schauen uns das nun genau an.

TippNie einen Kollegen kritisieren. Erklären Sie den zeitlichen Verlauf — das ist fachlich richtig und kollegial zugleich.

Vegetative Anamnese

ÄrztinWie schlafen Sie? Hat sich Ihr Gewicht verändert?

PatientinSchlafen kann ich seit den Schmerzen kaum. Das Gewicht ist gleich.

BogenInsomnie schmerzbedingt, keine Gewichtsveränderung

Vorerkrankungen

ÄrztinSind bei Ihnen Erkrankungen bekannt — Zuckerkrankheit, Bluthochdruck, Asthma?

PatientinNein, ich bin sonst gesund.

Bogenkeine relevanten Vorerkrankungen

TippEin leerer Befund wird trotzdem dokumentiert. „Keine Vorerkrankungen bekannt“ ist eine Information, keine Lücke.

Voroperationen

ÄrztinSind Sie schon einmal operiert worden? Und — haben Sie Ihren Blinddarm noch?

PatientinMit zwölf die Mandeln. Danach bekam ich eine Blutvergiftung und musste vierzehn Tage im Krankenhaus bleiben. Der Blinddarm ist noch drin.

BogenTonsillektomie im 12. Lj., kompliziert durch Sepsis, 14 Tage stationär. Appendix in situ

TippDie Frage nach dem Blinddarm ist bei diesem Verdacht unverzichtbar. Und Komplikationen früherer Operationen immer miterfragen.

Medikamente

ÄrztinNehmen Sie Medikamente ein? Auch die Pille oder etwas ohne Rezept?

PatientinIbuprofen 400 gegen die Schmerzen, gestern zweimal. Sonst nichts.

BogenIbuprofen 400 mg b. B. (gestern 2 ×), sonst keine Dauermedikation

TippAnalgetika vor der Vorstellung sind wichtig: sie können den Untersuchungsbefund und das Fieber verschleiern.

Allergien

ÄrztinHaben Sie Allergien oder Unverträglichkeiten?

PatientinNein, keine.

Bogenkeine bekannten Allergien

TippVor einer möglichen Operation ist das eine sicherheitsrelevante Angabe — auch das leere Ergebnis gehört klar dokumentiert.

Noxen

ÄrztinRauchen Sie? Trinken Sie Alkohol? Hatten Sie Kontakt mit Drogen?

PatientinIch rauche nicht und trinke keinen Alkohol. Amphetamin nehme ich alle zwei Wochen.

BogenNichtraucherin, kein Alkohol; Amphetaminkonsum alle 2 Wochen

TippDie Drogenfrage sachlich und wertfrei stellen. Der Konsum ist vor einer Narkose relevant — erwähnen Sie das in der Vorstellung.

PatientinSagen Sie das jetzt weiter?

ÄrztinNein. Ich unterliege der Schweigepflicht, das bleibt zwischen uns und dem Behandlungsteam. Ich frage danach, weil manche Substanzen mit Medikamenten und mit der Narkose zusammenwirken — das muss ich wissen, um Sie sicher zu behandeln.

TippSchweigepflicht ausdrücklich zusichern und den medizinischen Grund nennen. Diese Situation wird in der Prüfung gern gestellt.

Familienanamnese

ÄrztinGibt es Erkrankungen in Ihrer Familie?

PatientinMein Vater hatte vor zwei Jahren einen Herzinfarkt. Meine Mutter wurde vor sechs Monaten am Knie operiert. Meine Schwester hat Morbus Crohn.

BogenVater: Z. n. Myokardinfarkt vor 2 J.; Mutter: Z. n. Knie-OP vor 6 M.; Schwester: Morbus Crohn

TippDer Morbus Crohn der Schwester ist hier keine Nebensache — er hebt eine Differentialdiagnose in den Vordergrund.

Sozialanamnese

ÄrztinWas arbeiten Sie? Wie leben Sie?

PatientinIch bin Webdesignerin. Ledig, ich lebe in einer Beziehung mit meiner Freundin, keine Kinder.

BogenWebdesignerin; ledig, in fester Partnerschaft lebend, keine Kinder

TippLebensformen neutral und ohne Nachfrage dokumentieren. Alles andere wirkt unprofessionell.

ÄrztinIch habe Ihnen jetzt alle wichtigen Fragen gestellt. Als Nächstes möchte ich Sie körperlich untersuchen, Blut abnehmen und eine Ultraschalluntersuchung machen. Danach bespreche ich Ihren Fall mit meinem Oberarzt und komme wieder zu Ihnen.

PatientinJa, in Ordnung.

TippDiesen Abschlusssatz sollten Sie auswendig können. Er beendet das Gespräch strukturiert und kündigt das weitere Vorgehen an.

2. Der Anamnesebogen

Das ist die Dokumentation, die aus dem Gespräch entstanden ist – knapp, in Fachsprache, mit den Zahlen, die in der Prüfung abgefragt werden.

Anamnesebogen – so sollte er am Ende aussehen
PersonalienNina Vogel
geb. 14.06.1997, 27 Jahre, 1,72 m, 61 kg (BMI 20,6 kg/m²)
Aktuelle BeschwerdenBauchschmerzen seit 3 Tagen, progredient
aktuell rechter Unterbauch, initial periumbilikal — Schmerzwanderung
initial dumpf, jetzt scharf und dauerhaft, 7/10 auf der NRS
Erschütterungsschmerz positiv, Verstärkung bei Bewegung
Fieber bis 39,9 °C, Schüttelfrost
Nausea, Vomitus (2 ×), einmalige Diarrhö
ausgeprägte Inappetenz seit 3 Tagen
keine Dysurie, keine Algurie
letzte Regelblutung vor 2 Wochen, regelmäßiger Zyklus, Schwangerschaft unwahrscheinlich
kein Fluor vaginalis, keine vaginale Blutung
Vegetative AnamneseInsomnie schmerzbedingt, keine Gewichtsveränderung
Vorerkrankungenkeine relevanten Vorerkrankungen
VoroperationenTonsillektomie im 12. Lj., kompliziert durch Sepsis, 14 Tage stationär. Appendix in situ
MedikamenteIbuprofen 400 mg b. B. (gestern 2 ×), sonst keine Dauermedikation
Allergienkeine bekannten Allergien
NoxenNichtraucherin, kein Alkohol; Amphetaminkonsum alle 2 Wochen
FamilienanamneseVater: Z. n. Myokardinfarkt vor 2 J.; Mutter: Z. n. Knie-OP vor 6 M.; Schwester: Morbus Crohn
SozialanamneseWebdesignerin; ledig, in fester Partnerschaft lebend, keine Kinder

3. Die Patientenvorstellung

Der dritte Prüfungsteil: Sie stellen den Fall einer Ärztin oder einem Arzt vor – wie bei einer Übergabe, blockweise und ohne Umgangssprache.

Vorstellung der Patientin

Ich stelle Ihnen Frau Nina Vogel vor, eine 27-jährige Patientin, 1,72 m groß und 61 kg schwer, bei einem BMI von 20,6 kg/m². Sie stellte sich heute selbstständig in unserer Notaufnahme vor.

Aktuelle Anamnese

Die Patientin berichtet über seit drei Tagen bestehende, progrediente Bauchschmerzen, die initial periumbilikal auftraten und inzwischen in den rechten Unterbauch gewandert sind. Der Schmerz ist anhaltend, scharf und wird mit sieben von zehn auf der numerischen Rating-Skala angegeben; er verstärkt sich bei Bewegung und Erschütterung. Begleitend bestehen Fieber bis 39,9 °C mit Schüttelfrost, Nausea, zweimaliger Vomitus, eine einmalige Diarrhö sowie eine ausgeprägte Inappetenz. Eine Dysurie wurde verneint. Die letzte Regelblutung war vor zwei Wochen und regelrecht, eine Schwangerschaft ist unwahrscheinlich; vaginaler Ausfluss oder Blutungen bestehen nicht.

TippDie Schmerzwanderung gehört an den Anfang — sie ist das Argument für Ihre Verdachtsdiagnose und sollte als Erstes fallen.

Vorgeschichte

Relevante Vorerkrankungen bestehen nicht. Im zwölften Lebensjahr erfolgte eine Tonsillektomie, die durch eine Sepsis mit vierzehntägigem stationärem Aufenthalt kompliziert war; die Appendix ist in situ. An Medikamenten nahm die Patientin gestern zweimal Ibuprofen 400 mg ein. Allergien sind nicht bekannt. Sie ist Nichtraucherin und trinkt keinen Alkohol, konsumiert jedoch etwa alle zwei Wochen Amphetamin. Der Vater erlitt vor zwei Jahren einen Myokardinfarkt, die Schwester leidet an einem Morbus Crohn. Die Patientin ist Webdesignerin, ledig und lebt in fester Partnerschaft.

TippDen Amphetaminkonsum aktiv nennen. Vor einer Narkose ist das relevant, und die Kommission prüft, ob Sie Heikles aussprechen.

Verdachtsdiagnose

Aufgrund der Anamnese stelle ich die Verdachtsdiagnose einer akuten Appendizitis. Dafür sprechen die Schmerzwanderung vom Nabel in den rechten Unterbauch, das Fieber, die Inappetenz sowie der Erschütterungsschmerz.

TippHängen Sie die Begründung direkt an. „Dafür sprechen …“ ist der Satz, der aus einer Behauptung ein Argument macht.

Differentialdiagnosen

Differentialdiagnostisch kommen eine Adnexitis, eine Extrauteringravidität, eine Urolithiasis, ein Harnwegsinfekt, eine Divertikulitis sowie ein Erstschub eines Morbus Crohn in Betracht — letzterer insbesondere angesichts der positiven Familienanamnese.

TippBei einer jungen Frau gehören die gynäkologischen Differentialdiagnosen an die erste Stelle. Alles andere wirkt unvollständig.

Diagnostik

Zur Abklärung schlage ich vor: die körperliche Untersuchung mit Inspektion, Auskultation, Palpation einschließlich der Appendizitiszeichen und der digital-rektalen Untersuchung sowie die Kontrolle der Vitalparameter. Weiterhin ein Labor mit großem Blutbild, Entzündungsparametern, Leber- und Nierenwerten, Elektrolyten, Blutzucker, Gerinnung und β-HCG, dazu einen Urinstatus und eine Abdomensonographie. Gegebenenfalls ergänzend ein CT des Abdomens sowie ein chirurgisches und ein gynäkologisches Konsil.

TippDas β-HCG immer ausdrücklich nennen. Es wegzulassen ist einer der häufigsten Fehler in diesem Fall.

Therapie

Ich würde die Patientin stationär aufnehmen und nüchtern lassen. Therapeutisch eine intravenöse Flüssigkeitssubstitution, eine symptomatische Therapie mit Analgetikum und Antiemetikum sowie eine perioperative Antibiotikaprophylaxe mit einem Cephalosporin. Bei Bestätigung der Diagnose ist die laparoskopische Appendektomie die Therapie der Wahl. Der Amphetaminkonsum sollte dem Anästhesisten mitgeteilt werden.

TippDie Nahrungskarenz ausdrücklich nennen — sie ist Voraussetzung für die Narkose und wird oft vergessen.

4. Prüferfragen (12)

Nach der Vorstellung fragt die Kommission nach. Die Antworten sind kurz und mündlich gedacht; das Fettgedruckte sind die Begriffe, die fallen müssen.

Klinik

Welche Appendizitiszeichen kennen Sie?

McBurney-Punkt und Lanz-Punkt als Druckpunkte, das Blumberg-Zeichen als kontralateraler Loslassschmerz, das Rovsing-Zeichen beim Ausstreichen des Kolons gegen die Peristaltik, das Psoas-Zeichen bei retrozäkaler Lage und das Douglas-Schmerz bei der rektalen Untersuchung.

TippSie müssen zu jedem Zeichen sagen können, wie es geprüft wird. Die Kommission fragt fast immer nach.

Anatomie

Wo liegt der McBurney-Punkt?

Am Übergang vom äußeren zum mittleren Drittel der gedachten Verbindungslinie zwischen dem rechten vorderen oberen Darmbeinstachel — der Spina iliaca anterior superior — und dem Nabel. Der Lanz-Punkt liegt am Übergang vom rechten zum mittleren Drittel der Verbindungslinie zwischen beiden Darmbeinstacheln.

Diagnostik

Warum bestimmen Sie das β-HCG?

Um eine Schwangerschaft und insbesondere eine Extrauteringravidität auszuschließen. Diese kann sich wie eine Appendizitis darstellen und ist bei Ruptur lebensbedrohlich. Außerdem ändert eine Schwangerschaft die Wahl der Bildgebung — dann wird die Sonographie bevorzugt und ein CT vermieden.

TippDer zweite Grund, die Strahlenbelastung, wird oft vergessen und macht die Antwort vollständig.

Diagnostik

Welche Laborwerte erwarten Sie?

Eine Leukozytose mit Linksverschiebung und ein erhöhtes CRP. Wichtig ist: normale Entzündungswerte schließen eine Appendizitis nicht aus, besonders in den ersten Stunden. Der Urinstatus sollte unauffällig sein — Leukozyten oder Erythrozyten im Urin würden auf einen Harnwegsinfekt oder ein Konkrement lenken.

Komplikationen

Welche Komplikationen der Appendizitis kennen Sie?

Die Perforation mit nachfolgender Peritonitis, der perityphlitische Abszess, das Appendizitis-Konglomerat, die Douglas-Abszedierung, die Pyelophlebitis mit Leberabszessen und die Sepsis. Nach drei Tagen Beschwerdedauer besteht bei unserer Patientin ein erhöhtes Perforationsrisiko.

TippDen Bezug zum Fall herstellen. Die drei Tage sind der Grund, warum hier Eile geboten ist.

Klinik

Was ist ein akutes Abdomen?

Ein Symptomenkomplex aus akut einsetzenden Bauchschmerzen, Abwehrspannung, gestörter Peristaltik und häufig einer Kreislaufbeeinträchtigung. Es ist keine Diagnose, sondern eine Arbeitsdiagnose, die eine unverzügliche Abklärung und die Beteiligung der Chirurgie erfordert.

TippDer Satz „keine Diagnose, sondern eine Arbeitsdiagnose“ ist genau das, was hier hören will.

Therapie

Wie wird die Appendizitis operiert?

In der Regel laparoskopisch — über drei kleine Zugänge in Vollnarkose. Vorteile sind das geringere Wundinfektionsrisiko, weniger Schmerzen und die schnellere Erholung; zugleich erlaubt die Laparoskopie die Inspektion der Adnexe, was bei jungen Frauen besonders wertvoll ist. Bei Perforation oder Verwachsungen kann eine offene Appendektomie nötig werden.

Therapie

Warum geben Sie präoperativ ein Antibiotikum?

Als perioperative Prophylaxe zur Senkung der Wundinfektionsrate. Gegeben wird eine Einmaldosis eines Cephalosporins der zweiten Generation, meist kombiniert mit Metronidazol gegen Anaerobier, etwa dreißig bis sechzig Minuten vor dem Schnitt. Bei bereits perforierter Appendizitis wird daraus eine therapeutische und damit mehrtägige Antibiose.

TippDer Unterschied zwischen Prophylaxe und Therapie ist die Pointe. Nennen Sie beides.

Differentialdiagnose

Wie grenzen Sie eine Adnexitis ab?

Anamnestisch über Fluor vaginalis, Dyspareunie, Zwischenblutungen und wechselnde Sexualpartner. Klinisch über den Portioschiebeschmerz und den beidseitigen Unterbauchdruckschmerz. Gesichert wird sie durch die gynäkologische Untersuchung mit transvaginaler Sonographie und Abstrich — deshalb steht das gynäkologische Konsil in meinem Plan.

Differentialdiagnose

Die Schwester hat Morbus Crohn. Was bedeutet das hier?

Der Morbus Crohn hat eine familiäre Häufung, und ein Erstschub mit Befall des terminalen Ileums kann sich klinisch exakt wie eine Appendizitis darstellen. Dafür sprächen eine längere Vorgeschichte, chronische Diarrhö, Gewichtsverlust und extraintestinale Manifestationen. Bei unserer Patientin passt der akute Verlauf über drei Tage besser zur Appendizitis.

TippImmer sagen, was dafür und was dagegen spricht. Eine Differentialdiagnose ohne Abwägung zählt kaum.

Aufklärung

Die Patientin fragt, ob sie operiert werden muss. Was antworten Sie?

Nach allem, was ich bisher weiß, gehe ich von einer Blinddarmentzündung aus. In den meisten Fällen ist dann eine Operation nötig — sie ist der sicherste Weg, damit sich die Entzündung nicht ausbreitet. Sicher sagen kann ich es Ihnen, sobald die Blutwerte und der Ultraschall da sind. Ich komme dann sofort zu Ihnen und erkläre Ihnen alles in Ruhe.

TippEhrlich bleiben und trotzdem nicht vorgreifen. Und immer ankündigen, dass Sie zurückkommen.

Pharmakologie

Die Patientin nahm Ibuprofen. Welche Bedeutung hat das?

Ibuprofen ist ein nichtsteroidales Antirheumatikum und hemmt die Cyclooxygenase. Es kann Fieber senken und den Druckschmerz abschwächen und dadurch den Befund verschleiern — die Erkrankung erscheint milder, als sie ist. Zudem hemmt es die Thrombozytenaggregation und kann gastrointestinale Blutungen und eine Niereninsuffizienz begünstigen.

5. Fachbegriffe dieses Falls (28)

Im Patientengespräch sprechen Sie die linke Spalte, in Bogen und Vorstellung die rechte.

Deutsch ↔ Fachsprache
UmgangsspracheFachbegriffGebiet
BlinddarmentzündungAppendizitisDiagnose
Genauer: Entzündung des Wurmfortsatzes, der Appendix vermiformis.
WurmfortsatzAppendix vermiformisAnatomie
um den Nabel herumperiumbilikalAnatomie
BauchfellPeritoneumAnatomie
BauchfellentzündungPeritonitisDiagnose
Eileiter- und EierstockentzündungAdnexitisDiagnose
Schwangerschaft außerhalb der GebärmutterExtrauteringraviditätDiagnose
Ausstülpungsentzündung des DickdarmsDivertikulitisDiagnose
HarnsteinleidenUrolithiasisDiagnose
BlutvergiftungSepsisDiagnose
DurchbruchPerforationBefund
Abwehrspannung der BauchdeckeDéfense musculaireBefund
Loslassschmerz auf der GegenseiteBlumberg-ZeichenBefund
schmerzhaftes WasserlassenDysurieSymptom
Brennen beim WasserlassenAlgurieSymptom
Ausfluss aus der ScheideFluor vaginalisSymptom
Schmerzen beim GeschlechtsverkehrDyspareunieSymptom
vermehrte weiße BlutkörperchenLeukozytoseBefund
DarmbewegungPeristaltikBefund
DarmverschlussIleusDiagnose
EiteransammlungAbszessBefund
BauchspiegelungLaparoskopieUntersuchung
nüchtern bleibenNahrungskarenzTherapie
Schwangerschaftshormonβ-HCGUntersuchung
Mittel gegen ÜbelkeitAntiemetikumPharmakologie
entzündungshemmendes SchmerzmittelNSAR (nichtsteroidales Antirheumatikum)Pharmakologie
an Ort und Stelle, noch vorhandenin situBefund
chronisch-entzündliche Darmerkrankung mit Befall des gesamten VerdauungstraktsMorbus CrohnDiagnose

Vier Apps für die Fachsprachprüfung

Jede App ist eigenständig und wird einzeln gekauft; die Beschreibungen sind die der Store-Seiten. Der Fall oben stammt aus „FSP Trainer“.

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