Fachsprachprüfung · Innere Medizin · Beispielfall aus der App „FSP Trainer“
FSP-Fall Akutes Koronarsyndrom Anamnesegespräch, Anamnesebogen, Patientenvorstellung, Prüferfragen und Fachbegriffe
So läuft ein Fall durch alle Teile der Fachsprachprüfung: Erst das Gespräch mit Paul Breitner – Zug für Zug, und zu jedem Zug die Zeile, die daraus im Anamnesebogen entsteht. Dann die Vorstellung vor der Prüferin, die Nachfragen der Kommission und die Fachbegriffe, die in diesem Fall fallen. Verdachtsdiagnose: Akutes Koronarsyndrom (ACS).
Patient: Paul Breitner, 61 Jahre, 177 cm, 77,3 kg – Patient in der Notaufnahme. Alle Personen sind erfunden.
1. Das Anamnesegespräch (20 Züge)
Links die Ärztin, rechts der Patient; darunter in Grün die Zeile für den Bogen und gelegentlich ein Tipp, worauf die Kommission achtet. Lesen Sie die Patientenantwort und formulieren Sie die nächste Frage selbst, bevor Sie weiterlesen.
Personalien
ÄrztinGuten Tag, mein Name ist Dr. Sahin, ich bin Ärztin hier in der Notaufnahme. Wie heißen Sie bitte?
PatientPaul Breitner.
BogenPaul Breitner
TippBei einem Patienten mit Brustschmerz gilt: kurz vorstellen, Personalien knapp erfragen und sofort zur Leitbeschwerde. Ein Infarkt wartet nicht auf die vollständige Anamnese.
ÄrztinWann sind Sie geboren, und wie groß und schwer sind Sie?
PatientAm ersten Februar 1963. 1,77 m und 77 Kilo.
Bogengeb. 01.02.1963, 61 Jahre, 1,77 m, 77,3 kg (BMI 24,7 kg/m²)
Aktuelle Beschwerden
ÄrztinWas führt Sie zu uns?
PatientIch hatte heute Morgen ein schlimmes Engegefühl in der Brust. Meine Frau hat gesagt, ich sehe ganz blass aus, und hat mich hergeschickt.
BogenThoraxschmerzen mit Engegefühl
TippDas Wort „Engegefühl“ ist der klassische Patientenausdruck für Angina pectoris. Übernehmen Sie es und übersetzen Sie es später in der Vorstellung.
PatientWar es richtig, dass ich gekommen bin?
ÄrztinSie haben genau richtig gehandelt. Bei solchen Beschwerden ist es wichtig, schnell in die Klinik zu kommen. Wir suchen jetzt zügig die Ursache und beginnen dann sofort mit der Behandlung.
TippEine kurze Bestätigung nimmt dem Patienten die Angst und kostet zehn Sekunden. Die Kommission bewertet das ausdrücklich.
ÄrztinWann genau haben die Beschwerden angefangen, und was haben Sie in dem Moment gemacht?
PatientHeute früh nach dem Frühstück, ganz plötzlich. Ich saß nur da.
BogenBeginn heute Morgen, plötzlich, in Ruhe (nach dem Frühstück)
TippRuheschmerz ist das entscheidende Merkmal. Angina pectoris in Ruhe bedeutet instabile Angina — das ist die Aufnahmeindikation.
ÄrztinBestehen die Schmerzen jetzt noch?
PatientNein, im Moment habe ich nichts.
Bogenaktuell beschwerdefrei
TippBeschwerdefreiheit schließt nichts aus. Sagen Sie in der Vorstellung ausdrücklich, dass der Patient trotzdem überwacht wird.
ÄrztinHatten Sie solche Beschwerden schon früher?
PatientJa, seit etwa drei Monaten. Aber nur beim Treppensteigen oder wenn ich mich anstrenge — etwa dreimal die Woche, jeweils zehn Minuten. In Ruhe ging es immer wieder weg.
Bogenseit 3 Monatenbelastungsabhängige Beschwerden, 3 ×/Woche, je 10 min, in Ruhe rückläufig — progredient
TippDiese Vorgeschichte macht aus dem Fall eine Crescendo-Angina. Der Wandel von belastungsabhängig zu Ruheschmerz ist die Instabilität — das müssen Sie benennen.
ÄrztinWo genau sitzen die Schmerzen, und strahlen sie irgendwohin aus?
PatientIm ganzen Brustkorb, am meisten hinter dem Brustbein. Ausstrahlen tut es nicht.
Bogenretrosternales Punctum maximum, gesamter Thorax, keine Ausstrahlung
TippFehlende Ausstrahlung spricht nicht gegen ein ACS. Fragen Sie trotzdem gezielt nach linkem Arm, Hals, Unterkiefer und Rücken.
ÄrztinWaren noch andere Beschwerden dabei — Luftnot, Herzrasen, Übelkeit, Schwitzen?
PatientBei Belastung kommt das alles zusammen: Atemnot, Herzrasen, mir wird übel und ich schwitze kalt. Das ist wie ein Cocktail.
TippDiese vegetative Begleitsymptomatik ist beim ACS typisch und erhöht die Wahrscheinlichkeit erheblich. Zählen Sie sie in der Vorstellung vollständig auf.
ÄrztinHaben Sie geschwollene oder gerötete Beine bemerkt? Waren Sie zuletzt lange unbeweglich, etwa auf einer langen Reise?
PatientNein, nichts dergleichen.
Bogenkeine Beinschwellung, keine Immobilisation — kein Hinweis auf TVT
TippDie Lungenarterienembolie ist die wichtigste Differentialdiagnose. Fragen Sie aktiv nach ihren Risikofaktoren, sonst fehlt der Ausschluss.
Vegetative Anamnese
ÄrztinKönnen Sie flach liegen, ohne Luftnot zu bekommen? Wachen Sie nachts wegen Atemnot auf?
PatientFlach liegen geht schlecht, ich brauche zwei Kissen. Nachts aufwachen deswegen — nein.
BogenOrthopnoe, keine paroxysmale nächtliche Dyspnoe
TippOrthopnoe deutet auf eine Linksherzinsuffizienz hin. Fragen Sie nach der Kissenzahl — das ist die konkreteste Form dieser Frage.
ÄrztinWie ist es mit dem Wasserlassen und dem Schlaf?
PatientIch muss oft und viel, manchmal nach dem Alkohol. Schlafen kann ich schlecht, ich habe Todesangst.
BogenPolyurie und Pollakisurie, Insomnie (Todesangst)
TippPolyurie und Pollakisurie sollten Sie im Kopf behalten — sie können ein Hinweis auf einen bisher unbekannten Diabetes sein.
Vorerkrankungen
ÄrztinSind bei Ihnen Erkrankungen bekannt?
PatientBluthochdruck seit zehn Jahren. Und vor achtzehn Jahren hatte ich eine Nierenentzündung.
BogenArterielle Hypertonie seit 10 Jahren; Glomerulonephritis vor 18 Jahren
TippDie Hypertonie ist ein kardiovaskulärer Risikofaktor und gehört später in die Aufzählung. Fragen Sie auch, ob sie gut eingestellt ist.
Voroperationen
ÄrztinSind Sie schon einmal operiert worden?
PatientMit sieben die Mandeln, mit achtzehn der Blinddarm.
BogenTonsillektomie im 7. Lj., Appendektomie im 18. Lj.
Medikamente
ÄrztinWelche Medikamente nehmen Sie ein?
PatientNebivolol 5 mg morgens und Valsacor 80 mg morgens.
ÄrztinRauchen Sie? Trinken Sie Alkohol? Nehmen Sie Drogen?
PatientZwanzig Zigaretten am Tag seit fünfunddreißig Jahren. Drei Gläser Wein oder Bier die Woche. Drogen nicht.
BogenNikotinabusus: 20 Zig./d seit 35 J. — 35 pack years; C2 3 Gl./Woche; keine Drogen
Tipp35 pack years sind ein erheblicher Risikofaktor. Rechnen Sie den Wert aus und nennen Sie ihn in der Vorstellung als Zahl.
Familienanamnese
ÄrztinGibt es in Ihrer Familie Herzerkrankungen?
PatientMein Vater hatte mit 45 einen Herzinfarkt, er lebt noch, ist jetzt 80. Meine Mutter ist mit 55 während einer Bypass-Operation an einem Infarkt gestorben.
BogenVater (80 J.): Z. n. Myokardinfarkt im 45. Lj., aHT, Katarakt. Mutter † mit 55 J. an Myokardinfarkt während Bypass-OP — positive Familienanamnese für KHK
TippBeide Elternteile mit vorzeitiger KHK: das ist eine der stärksten Risikokonstellationen überhaupt und muss ausdrücklich genannt werden.
PatientMeine Mutter ist am Herzinfarkt gestorben. Habe ich das jetzt auch?
ÄrztinIch verstehe Ihre Sorge sehr gut. Dass Ihre Eltern betroffen waren, erhöht das Risiko — deshalb nehmen wir Ihre Beschwerden ernst. Wir schreiben jetzt sofort ein EKG und nehmen Blut ab. Danach kann ich Ihnen viel genauer sagen, woran wir sind.
TippNicht beschwichtigen und nicht dramatisieren. Sorge anerkennen, dann konkret sagen, was als Nächstes passiert — das beruhigt am zuverlässigsten.
Sozialanamnese
ÄrztinWas arbeiten Sie, und wie leben Sie?
PatientIch bin Lehrer für Mathe und Erdkunde, manchmal stressig. Verheiratet, wir wohnen zusammen, eine Tochter von 25, die Jura studiert. Sport mache ich keinen.
TippBewegungsmangel ist ein beeinflussbarer Risikofaktor und gehört in die Therapie — Lebensstiländerung wird regelmäßig abgefragt.
2. Der Anamnesebogen
Das ist die Dokumentation, die aus dem Gespräch entstanden ist – knapp, in Fachsprache, mit den Zahlen, die in der Prüfung abgefragt werden.
Anamnesebogen – so sollte er am Ende aussehen
Personalien
Paul Breitner geb. 01.02.1963, 61 Jahre, 1,77 m, 77,3 kg (BMI 24,7 kg/m²)
Aktuelle Beschwerden
Thoraxschmerzen mit Engegefühl Beginn heute Morgen, plötzlich, in Ruhe (nach dem Frühstück) aktuell beschwerdefrei seit 3 Monatenbelastungsabhängige Beschwerden, 3 ×/Woche, je 10 min, in Ruhe rückläufig — progredient retrosternales Punctum maximum, gesamter Thorax, keine Ausstrahlung Begleitend Dyspnoe, Palpitationen, Nausea, Kaltschweißigkeit, Hyperhidrose, Fatigue keine Beinschwellung, keine Immobilisation — kein Hinweis auf TVT
Vegetative Anamnese
Orthopnoe, keine paroxysmale nächtliche Dyspnoe Polyurie und Pollakisurie, Insomnie (Todesangst)
Vorerkrankungen
Arterielle Hypertonie seit 10 Jahren; Glomerulonephritis vor 18 Jahren
Voroperationen
Tonsillektomie im 7. Lj., Appendektomie im 18. Lj.
Nikotinabusus: 20 Zig./d seit 35 J. — 35 pack years; C2 3 Gl./Woche; keine Drogen
Familienanamnese
Vater (80 J.): Z. n. Myokardinfarkt im 45. Lj., aHT, Katarakt. Mutter † mit 55 J. an Myokardinfarkt während Bypass-OP — positive Familienanamnese für KHK
Der dritte Prüfungsteil: Sie stellen den Fall einer Ärztin oder einem Arzt vor – wie bei einer Übergabe, blockweise und ohne Umgangssprache.
Vorstellung des Patienten
Ich stelle Ihnen Herrn Paul Breitner vor, einen 61-jährigen Patienten, 1,77 m groß und 77,3 kg schwer, bei einem BMI von 24,7 kg/m². Er stellte sich heute in unserer Notaufnahme vor.
TippEin Satz, dann Pause. Bei einem Notfallpatienten dürfen Sie ergänzen, dass er hämodynamisch stabil ist — das zeigt, dass Sie priorisieren.
Aktuelle Anamnese
Der Patient berichtet über heute Morgen plötzlich in Ruhe aufgetretene retrosternale Thoraxschmerzen mit Engegefühl ohne Ausstrahlung. Aktuell ist er beschwerdefrei. Seit etwa drei Monaten bestünden ähnliche, jedoch ausschließlich belastungsabhängige Beschwerden von etwa zehnminütiger Dauer, dreimal wöchentlich, die in Ruhe rückläufig seien und im Verlauf progredient waren. Begleitend traten Dyspnoe, Palpitationen, Nausea, Kaltschweißigkeit und Fatigue auf. Zusätzlich besteht eine Orthopnoe. Eine paroxysmale nächtliche Dyspnoe sowie Hinweise auf eine tiefe Beinvenenthrombose wurden verneint.
TippDer Kern dieses Falls ist der Wandel von belastungsabhängig zu Ruheschmerz. Betonen Sie ihn — daran hängt die ganze Einordnung.
Vorgeschichte
An Vorerkrankungen bestehen eine arterielle Hypertonie seit zehn Jahren sowie eine Glomerulonephritis vor achtzehn Jahren. Voroperationen sind eine Tonsillektomie im siebten und eine Appendektomie im achtzehnten Lebensjahr. Der Patient nimmt Nebivolol 5 mg und Valsartan 80 mg jeweils morgens ein. Es besteht eine Nickelallergie sowie eine Pflasterunverträglichkeit mit Exanthem. An Noxen besteht ein Nikotinabusus von 35 pack years bei moderatem Alkoholkonsum. Der Vater erlitt mit 45 Jahren einen Myokardinfarkt, die Mutter verstarb mit 55 Jahren an einem Myokardinfarkt. Der Patient ist Lehrer, verheiratet und treibt keinen Sport.
Aufgrund der Anamnese stelle ich die Verdachtsdiagnose eines akuten Koronarsyndroms, am ehesten im Sinne einer instabilen Angina pectoris bei vorbestehender koronarer Herzkrankheit.
TippSagen Sie nicht nur „ACS“, sondern ordnen Sie ein: instabile Angina, NSTEMI oder STEMI. Die Unterscheidung wird sicher nachgefragt.
Differentialdiagnosen
Differentialdiagnostisch kommen eine Lungenarterienembolie, ein Pneumothorax, eine Aortendissektion, eine Perikarditis, eine Myokarditis, Herzrhythmusstörungen sowie eine gastroösophageale Refluxkrankheit in Betracht.
TippNennen Sie zuerst die lebensbedrohlichen: Lungenembolie, Aortendissektion, Spannungspneumothorax. Diese Reihenfolge zeigt klinisches Denken.
Diagnostik
Zur Abklärung schlage ich vor: die körperliche Untersuchung mit Vitalparametern, ein 12-Kanal-EKG unverzüglich, eine Laboruntersuchung mit großem Blutbild, Entzündungsparametern, Herzenzymen einschließlich Troponin I oder T im Verlauf, Leber- und Nierenwerten, Elektrolyten, TSH, Blutzucker und Gerinnungsparametern, außerdem eine transthorakale Echokardiographie und einen Röntgen-Thorax. Bei entsprechendem Befund ergänzend eine Koronarangiographie.
TippDas EKG kommt zuerst und innerhalb von zehn Minuten. Beim Troponin unbedingt „im Verlauf“ sagen — ein einzelner Wert schließt nichts aus.
Therapie
Ich würde den Patienten stationär aufnehmen, engmaschig am Monitor überwachen und zwei großlumige intravenöse Zugänge legen. Therapeutisch nach dem MONA-BH-Schema: Morphin 3 bis 5 mg intravenös bis zur Schmerzfreiheit, Sauerstoff über Nasenbrille bei Sättigung unter 90 Prozent, Nitroglycerin 0,4 bis 0,8 mg sublingual sowie Acetylsalicylsäure mindestens 250 mg intravenös, ergänzt durch einen Betablocker mit Metoprolol 5 mg langsam intravenös und Heparin 5000 Einheiten intravenös. Hinzu kommen Clopidogrel 600 mg und Atorvastatin 40 bis 80 mg oral sowie gegebenenfalls eine perkutane Koronarintervention.
TippMONA-BH auswendig können. Und wissen, wann Nitro verboten ist: bei Hypotonie, Rechtsherzinfarkt und nach PDE-5-Hemmern.
4. Prüferfragen (15)
Nach der Vorstellung fragt die Kommission nach. Die Antworten sind kurz und mündlich gedacht; das Fettgedruckte sind die Begriffe, die fallen müssen.
Einteilung
Was verstehen Sie unter dem akuten Koronarsyndrom?
Ein Oberbegriff für drei Krankheitsbilder mit gemeinsamer Ursache: die instabile Angina pectoris, den NSTEMI und den STEMI. Unterschieden werden sie über die EKG-Veränderungen und die Herzenzyme: bei der instabilen Angina ist das Troponin negativ, beim NSTEMI positiv ohne ST-Hebung, beim STEMI besteht zusätzlich eine ST-Streckenhebung.
TippDiese Frage ist der Einstieg in fast jede ACS-Prüfung. Antworten Sie in genau dieser Dreiteilung.
Definition
Wann ist eine Angina pectoris instabil?
Wenn sie erstmalig auftritt, in Ruhe auftritt oder gegenüber früher an Häufigkeit, Dauer oder Intensität zunimmt — die sogenannte Crescendo-Angina. Auch eine Angina, die auf Nitroglycerin nicht mehr anspricht, gilt als instabil. Bei unserem Patienten trifft der Ruheschmerz nach vorheriger Belastungsangina zu.
Risikofaktoren
Welche kardiovaskulären Risikofaktoren hat dieser Patient?
Beeinflussbar: Nikotinabusus mit 35 pack years, arterielle Hypertonie und Bewegungsmangel. Nicht beeinflussbar: männliches Geschlecht, Alter über 55 Jahre und die positive Familienanamnese — Vater mit Infarkt im 45., Mutter im 55. Lebensjahr.
TippTrennen Sie beeinflussbar von nicht beeinflussbar. Das leitet direkt zur Frage nach der Lebensstiländerung über.
Diagnostik
Was erwarten Sie im EKG?
Bei der instabilen Angina kann das EKG unauffällig sein. Möglich sind ST-Streckensenkungen, T-Negativierungen oder ein präterminal negatives T. Eine ST-Hebung in mindestens zwei benachbarten Ableitungen spräche für einen STEMI und wäre die Indikation zur sofortigen Koronarangiographie.
TippSagen Sie ausdrücklich, dass ein unauffälliges EKG ein ACS nicht ausschließt. Genau darauf zielt die Frage.
Labor
Warum bestimmen Sie das Troponin mehrfach?
Weil Troponin erst drei bis vier Stunden nach Beginn der Ischämie ansteigt. Ein einzelner früher Wert kann falsch negativ sein. Deshalb wird nach dem 0-h-/3-h-Algorithmus gemessen und die Dynamik beurteilt — der Anstieg oder Abfall ist aussagekräftiger als der Absolutwert.
Labor
Nennen Sie Ursachen einer Troponinerhöhung außerhalb des Infarkts.
Myokarditis, Lungenarterienembolie, Herzinsuffizienz, Tachyarrhythmien, hypertensive Entgleisung, Sepsis, Niereninsuffizienz und die Takotsubo-Kardiomyopathie. Troponin zeigt eine Schädigung der Herzmuskelzelle an, nicht ihre Ursache.
TippEin Satz zum Schluss — Troponin ist organspezifisch, nicht ursachenspezifisch — wirkt sehr souverän.
Therapie
Wofür steht MONA-BH?
Morphin, Oxygen, Nitrat, Acetylsalicylsäure, Betablocker und Heparin. Sauerstoff wird heute nur noch bei einer Sättigung unter 90 Prozent gegeben, weil eine Hyperoxie den Infarkt vergrößern kann.
TippDie Einschränkung beim Sauerstoff unbedingt erwähnen — sie zeigt, dass Sie den aktuellen Stand kennen.
Therapie
Wann dürfen Sie kein Nitroglycerin geben?
Bei Hypotonie unter 90 mmHg systolisch, beim Rechtsherzinfarkt, bei Aortenklappenstenose, bei hypertropher obstruktiver Kardiomyopathie und nach Einnahme von PDE-5-Hemmern wie Sildenafil innerhalb von 24 bis 48 Stunden. In allen Fällen droht ein kritischer Blutdruckabfall.
TippDie Frage nach Sildenafil kommt oft. Fragen Sie im Gespräch aktiv danach — bei einem 61-jährigen Mann ist das keine abwegige Frage.
Pharmakologie
Wie wirkt Nebivolol, und was ist bei Betablockern zu beachten?
Nebivolol ist ein kardioselektiver Beta-1-Blocker mit zusätzlich NO-vermittelter Vasodilatation. Betablocker senken Herzfrequenz, Kontraktilität und damit den myokardialen Sauerstoffverbrauch. Zu beachten sind Bradykardie, AV-Block, Hypotonie, eine Verschlechterung bei Asthma bronchiale und die Maskierung einer Hypoglykämie beim Diabetiker.
Pharmakologie
Wie wirkt Valsartan, und worin unterscheidet es sich von einem ACE-Hemmer?
Valsartan ist ein AT1-Rezeptor-Antagonist und blockiert die Wirkung von Angiotensin II am Rezeptor. Ein ACE-Hemmer hemmt dagegen die Bildung von Angiotensin II und zusätzlich den Abbau von Bradykinin — daher der typische Reizhusten, der unter Sartanen fehlt. Sartane werden deshalb meist bei ACE-Hemmer-Unverträglichkeit eingesetzt.
TippDer Reizhusten über Bradykinin ist die Pointe dieser Frage. Ohne ihn wirkt die Antwort unvollständig.
Differentialdiagnose
Wie grenzen Sie eine Lungenarterienembolie ab?
Anamnestisch über Risikofaktoren: Immobilisation, lange Reise, Operation, Malignom, Kontrazeptiva, Thrombophilie. Klinisch über Tachypnoe, Tachykardie und einseitige Beinschwellung. Diagnostisch über den Wells-Score, die D-Dimere — sensitiv, aber unspezifisch — und die CT-Angiographie der Pulmonalarterien als Goldstandard.
Differentialdiagnose
Woran denken Sie bei plötzlichem Vernichtungsschmerz mit Rückenausstrahlung?
An eine Aortendissektion. Typisch sind der reißende Vernichtungsschmerz, eine Blutdruckdifferenz zwischen beiden Armen und ein neu aufgetretenes Aorteninsuffizienzgeräusch. Die Diagnostik erfolgt mittels CT-Angiographie oder transösophagealer Echokardiographie. Wichtig: hier ist eine Antikoagulation kontraindiziert.
TippDer letzte Satz ist der entscheidende: bei der Dissektion würde die ACS-Therapie schaden. Das zeigt, warum die Abgrenzung zählt.
Aufklärung
Erklären Sie dem Patienten in einfachen Worten, was eine Herzkatheteruntersuchung ist.
Wir schieben über ein Gefäß am Handgelenk oder in der Leiste einen sehr dünnen, weichen Schlauch bis zum Herzen. Darüber geben wir ein Kontrastmittel, damit wir die Herzkranzgefäße im Röntgenbild sehen können. Wenn eine Engstelle da ist, können wir sie in derselben Sitzung aufdehnen und eine kleine Gefäßstütze einsetzen. Sie bekommen eine örtliche Betäubung und sind die ganze Zeit wach.
TippKein einziger Fachbegriff. „Gefäßstütze“ statt Stent, „Schlauch“ statt Katheter — genau das wird geprüft.
Prävention
Welche Lebensstiländerungen empfehlen Sie diesem Patienten?
An erster Stelle die Nikotinkarenz — sie senkt das Risiko am stärksten. Weiter regelmäßige körperliche Aktivität von mindestens 150 Minuten pro Woche, mediterrane Ernährung, Gewichtskontrolle, Reduktion des Alkoholkonsums und Stressbewältigung. Ergänzend die konsequente Einstellung von Blutdruck, Blutzucker und LDL-Cholesterin.
TippNikotinkarenz zuerst nennen. Wer beim Raucher mit der Ernährung anfängt, verliert die Frage.
Komplikationen
Welche Komplikationen eines Myokardinfarkts kennen Sie?
Früh: Herzrhythmusstörungen bis zum Kammerflimmern, kardiogener Schock, akute Herzinsuffizienz und Lungenödem. Später: Papillarmuskelabriss mit akuter Mitralinsuffizienz, Ventrikelseptumruptur, Herzwandruptur mit Perikardtamponade, Herzwandaneurysma, Perikarditis epistenocardica und das Dressler-Syndrom.
TippNach früh und spät ordnen. Der plötzliche Herztod durch Kammerflimmern in den ersten Stunden ist die häufigste Todesursache — das gehört gesagt.
5. Fachbegriffe dieses Falls (35)
Im Patientengespräch sprechen Sie die linke Spalte, in Bogen und Vorstellung die rechte.
Deutsch ↔ Fachsprache
Umgangssprache
Fachbegriff
Gebiet
Brustenge, Herzschmerz
Angina pectoris
Symptom
hinter dem Brustbein
retrosternal
Anatomie
Brustkorb
Thorax
Anatomie
Atemnot
Dyspnoe
Symptom
Atemnot im Liegen
Orthopnoe
Symptom Wird am besten über die Zahl der Kissen erfragt.
anfallsartige nächtliche Atemnot
paroxysmale nächtliche Dyspnoe
Symptom
Herzrasen, Herzstolpern
Palpitationen
Symptom
vermehrtes Schwitzen
Hyperhidrose
Symptom
vermehrte Harnmenge
Polyurie
Symptom
häufiges Wasserlassen kleiner Mengen
Pollakisurie
Symptom Nicht mit Polyurie verwechseln — dort ist die Gesamtmenge erhöht.
Herzinfarkt
Myokardinfarkt
Diagnose
Erkrankung der Herzkranzgefäße
koronare Herzkrankheit (KHK)
Diagnose
Bluthochdruck
arterielle Hypertonie
Diagnose
Nierenkörperchenentzündung
Glomerulonephritis
Diagnose
Blutgerinnsel in der Lungenarterie
Lungenarterienembolie
Diagnose
Einriss der Hauptschlagader
Aortendissektion
Diagnose
Herzbeutelentzündung
Perikarditis
Diagnose
Herzmuskelentzündung
Myokarditis
Diagnose
Blutgerinnsel in einer tiefen Beinvene
tiefe Beinvenenthrombose (TVT)
Diagnose
grauer Star
Katarakt
Diagnose
Mandelentfernung
Tonsillektomie
Untersuchung
Blinddarmentfernung
Appendektomie
Untersuchung
Herzultraschall
Echokardiographie
Untersuchung
Herzkatheteruntersuchung der Kranzgefäße
Koronarangiographie
Untersuchung
Aufdehnung eines Herzkranzgefäßes
perkutane Koronarintervention (PTCA/PCI)
Therapie
Gefäßstütze
Stent
Therapie
blutverdünnendes Mittel
Antikoagulans
Pharmakologie
Mittel gegen zu hohen Blutdruck
Antihypertensivum
Pharmakologie
cholesterinsenkendes Mittel
Statin
Pharmakologie
Hautausschlag
Exanthem
Befund
langsamer Herzschlag
Bradykardie
Befund
schneller Herzschlag
Tachykardie
Befund
niedriger Blutdruck
Hypotonie
Befund
beschleunigte Atmung
Tachypnoe
Befund
Zustand nach
Z. n.
Befund Steht im Anamnesebogen vor jeder abgelaufenen Erkrankung oder Operation.
Vier Apps für die Fachsprachprüfung
Jede App ist eigenständig und wird einzeln gekauft; die Beschreibungen sind die der Store-Seiten. Der Fall oben stammt aus „FSP Trainer“.
FSP Trainer
Fachsprachprüfung für Ärztinnen und Ärzte, ohne Bindung an eine Kammer: Anamnesegespräch mit mitwachsendem Anamnesebogen, Vorstellung, Prüferfragen und Fachbegriffe.