Definition
Eine Sepsis, deren Infektionsherd im Harntrakt liegt. Definiert ist sie als lebensbedrohliche Organdysfunktion durch eine fehlregulierte Wirtsantwort auf die Infektion, operationalisiert über einen Anstieg des SOFA-Scores um mindestens zwei Punkte.
Ätiologie
Meist eine aufsteigende Pyelonephritis bei Harnabflussstörung: Harnleiterstein, Prostatavergrößerung, Tumor, Schwangerschaft. Ebenso häufig sind einliegende Fremdkörper wie Dauerkatheter und Harnleiterschienen.
Klinik
Fieber mit Schüttelfrost, Flankenschmerz und klopfschmerzhaftes Nierenlager, dazu Dysurie und Pollakisurie. Hinzu kommen Sepsiszeichen: Tachykardie, Tachypnoe, Hypotonie, Verwirrtheit, verlängerte Rekapillarisierungszeit.
Diagnostik
Urinstatus und Urinkultur, zwei Paar Blutkulturen vor der ersten Antibiotikagabe, Laktat, Blutbild, CRP, Procalcitonin, Kreatinin. Sonographie sofort zur Frage einer Harnstauungsniere, im Zweifel Computertomographie.
Therapie
Kalkulierte intravenöse Antibiose innerhalb der ersten Stunde, etwa mit einem Cephalosporin der 3. Generation oder Piperacillin-Tazobactam, danach Anpassung nach Antibiogramm. Kristalloide Volumengabe, bei anhaltender Hypotonie Noradrenalin. Entscheidend ist die Herdsanierung: eine gestaute Niere muss sofort über eine Harnleiterschiene oder eine perkutane Nephrostomie entlastet werden.
Merke
Antibiotika ersetzen die Entlastung nicht. Eine infizierte Stauungsniere ist ein urologischer Notfall, der innerhalb von Stunden drainiert werden muss.