Kenntnisprüfung Niedersachsen: Infektiologie
Beispielfragen mit Antworten

Sepsis, Antibiotikatherapie, Impfungen, Meldepflicht und Hygiene werden regelmäßig gefragt, weil die Infektiologie Innere Medizin, Chirurgie und Rechtsfragen zugleich berührt.

So üben Sie damit: Frage lesen, laut antworten – erst dann die Antwort lesen und vergleichen. Die Kenntnisprüfung ist ein Gespräch, kein Ankreuztest.

Beispielfrage 1 von 133 · aus der App

Was ist eine Urosepsis?

Definition

Eine Sepsis, deren Infektionsherd im Harntrakt liegt. Definiert ist sie als lebensbedrohliche Organdysfunktion durch eine fehlregulierte Wirtsantwort auf die Infektion, operationalisiert über einen Anstieg des SOFA-Scores um mindestens zwei Punkte.

Ätiologie

Meist eine aufsteigende Pyelonephritis bei Harnabflussstörung: Harnleiterstein, Prostatavergrößerung, Tumor, Schwangerschaft. Ebenso häufig sind einliegende Fremdkörper wie Dauerkatheter und Harnleiterschienen.

Klinik

Fieber mit Schüttelfrost, Flankenschmerz und klopfschmerzhaftes Nierenlager, dazu Dysurie und Pollakisurie. Hinzu kommen Sepsiszeichen: Tachykardie, Tachypnoe, Hypotonie, Verwirrtheit, verlängerte Rekapillarisierungszeit.

Diagnostik

Urinstatus und Urinkultur, zwei Paar Blutkulturen vor der ersten Antibiotikagabe, Laktat, Blutbild, CRP, Procalcitonin, Kreatinin. Sonographie sofort zur Frage einer Harnstauungsniere, im Zweifel Computertomographie.

Therapie

Kalkulierte intravenöse Antibiose innerhalb der ersten Stunde, etwa mit einem Cephalosporin der 3. Generation oder Piperacillin-Tazobactam, danach Anpassung nach Antibiogramm. Kristalloide Volumengabe, bei anhaltender Hypotonie Noradrenalin. Entscheidend ist die Herdsanierung: eine gestaute Niere muss sofort über eine Harnleiterschiene oder eine perkutane Nephrostomie entlastet werden.

Merke

Antibiotika ersetzen die Entlastung nicht. Eine infizierte Stauungsniere ist ein urologischer Notfall, der innerhalb von Stunden drainiert werden muss.

Beispielfrage 2 von 133 · aus der App

Was ist ein Abszess?

Definition

Eine abgekapselte Eiteransammlung in einem Hohlraum, der durch die Einschmelzung von Gewebe neu entstanden ist. Abzugrenzen ist das Empyem, bei dem sich Eiter in einer vorbestehenden Körperhöhle sammelt, etwa im Pleuraspalt oder im Gelenk.

Ätiologie

Häufigster Erreger ist Staphylococcus aureus. Begünstigend wirken Diabetes mellitus, Immunsuppression, intravenöser Drogenkonsum und Fremdkörper.

Klinik

Die klassischen Entzündungszeichen Rötung, Überwärmung, Schwellung, Schmerz und Funktionseinschränkung, dazu als spezifisches Zeichen die Fluktuation. Bei tiefer Lage können äußere Zeichen fehlen und nur Fieber und CRP-Anstieg auffallen.

Diagnostik

Sonographie zeigt eine echoarme Formation mit Randsaum. Bei tiefen Abszessen Computertomographie. Immer Material für die mikrobiologische Untersuchung gewinnen.

Therapie

Entscheidend ist die Entlastung durch Inzision und Drainage oder perkutane Punktion. Antibiotika sind nur ergänzend indiziert, etwa bei Begleitphlegmone, Fieber, Immunsuppression oder Lokalisation im Gesicht.

Merke

Ubi pus, ibi evacua – wo Eiter ist, dort entleere ihn. Ein Abszess heilt unter Antibiotika allein nicht ab, weil die Kapsel den Wirkstoff nicht durchlässt.

Beispielfrage 3 von 133 · aus der App

Was ist pseudomembranöse Kolitis?

Definition

Die schwerste Verlaufsform der Clostridioides-difficile-Infektion. Auf der Kolonschleimhaut bilden sich gelblich-weiße Beläge aus Fibrin, Schleim und Leukozyten, die Pseudomembranen.

Ätiologie

Auslöser ist fast immer eine vorangegangene Antibiotikatherapie, die die Darmflora zerstört, klassisch Clindamycin, Cephalosporine, Fluorchinolone und Aminopenicilline. Die Toxine A und B schädigen das Zytoskelett der Enterozyten. Weitere Risikofaktoren sind hohes Alter, Krankenhausaufenthalt, Protonenpumpenhemmer und Immunsuppression.

Klinik

Wässrige, oft übelriechende Durchfälle, krampfartige Bauchschmerzen, Fieber und ausgeprägte Leukozytose.

Diagnostik

Stufendiagnostik im Stuhl: Screening auf Glutamatdehydrogenase, Bestätigung mit Toxinnachweis, bei Diskrepanz PCR. Endoskopisch die typischen Pseudomembranen; die Koloskopie ist wegen Perforationsgefahr aber zurückhaltend zu stellen.

Therapie

Auslösendes Antibiotikum wenn möglich absetzen. Mittel der Wahl ist orales Vancomycin, alternativ Fidaxomicin. Metronidazol nur noch als Reserve bei fehlender Verfügbarkeit. Bei Rezidiven Fidaxomicin oder fäkaler Mikrobiomtransfer.

Komplikationen

Toxisches Megakolon, Perforation, paralytischer Ileus und Sepsis. Beim Megakolon droht die Kolektomie.

Merke

Kontaktisolierung ist Pflicht. Händedesinfektionsmittel wirken gegen die Sporen nicht, deshalb müssen die Hände zusätzlich mit Wasser und Seife gewaschen werden.

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