Definition
Die chronische Nierenschädigung als mikroangiopathische Folge des Diabetes mellitus. Sie ist in Deutschland die häufigste Ursache der dialysepflichtigen Niereninsuffizienz.
Klinik
Der Verlauf ist typisch gestuft: zunächst glomeruläre Hyperfiltration mit erhöhter Filtrationsrate, dann Übertritt kleiner Albuminmengen in den Urin als moderat erhöhte Albuminurie, früher Mikroalbuminurie genannt, danach manifeste Proteinurie und schließlich der Abfall der Filtrationsrate bis zur terminalen Niereninsuffizienz. Histologisch findet sich die noduläre Glomerulosklerose Kimmelstiel-Wilson.
Diagnostik
Screening mindestens jährlich mit dem Albumin-Kreatinin-Quotienten im Spontanurin und der geschätzten glomerulären Filtrationsrate. Ein pathologischer Wert muss innerhalb von drei bis sechs Monaten bestätigt werden, weil Fieber, Sport, Harnwegsinfekt und schlechte Einstellung ihn vorübergehend erhöhen.
Therapie
Blutzuckereinstellung, strenge Blutdruckkontrolle mit einem ACE-Hemmer oder Sartan, das auch bei normalem Blutdruck den Eiweißverlust senkt, dazu ein SGLT-2-Hemmer, der die Progression nachweislich bremst. Weiter Statin, Rauchstopp, Vermeidung nephrotoxischer Substanzen und Anpassung aller renal eliminierten Medikamente.
Merke
Die Albuminurie ist nicht nur ein Nierenmarker, sondern ein starker unabhängiger Prädiktor für kardiovaskuläre Ereignisse. Der Patient stirbt statistisch eher am Herzinfarkt als an der Dialysepflicht.