Definition
Der Schockindex ist das Verhältnis von Herzfrequenz zu systolischem Blutdruck. Normal liegt er bei etwa 0,5 bis 0,7.
Klinik
Angewendet wird er in der Erstbeurteilung von Trauma-, Blutungs- und Sepsispatienten sowie bei der postpartalen Blutung. Er hilft, ein drohendes Kreislaufversagen früher zu erkennen und die Notwendigkeit einer Massivtransfusion abzuschätzen.
Diagnostik
Ab einem Wert über 0,9 bis 1,0 spricht man von einem manifesten Schock beziehungsweise einer relevanten Kreislaufgefährdung, ab 1,4 von einer schweren Beeinträchtigung. Der Gedanke dahinter: Bei Volumenmangel steigt die Herzfrequenz kompensatorisch früher, als der Blutdruck fällt — der Quotient bildet diese Verschiebung ab, bevor der Blutdruck auffällig wird.
Komplikationen
Seine Grenzen muss man kennen: Unter Betablockern bleibt die Tachykardie aus, der Index ist dann falsch niedrig. Bei Schrittmacherpatienten ebenso. Bei chronisch hypertensiven Patienten kann ein scheinbar normaler Blutdruck bereits relativ hypoton sein. Bei Kindern, Schwangeren und älteren Menschen gelten andere Grenzwerte. Und im neurogenen Schock fehlt die Tachykardie ganz, teils besteht sogar eine Bradykardie.
Merke
Der Index ersetzt keine Untersuchung, sondern schärft den Blick: Ein junger Patient kann bis zu 30 Prozent seines Blutvolumens verlieren, bevor der Blutdruck fällt — die Tachykardie ist da längst da. Deshalb wird beim Trauma nicht auf den Blutdruckabfall gewartet.