Definition
Bei der metabolischen Azidose ist der pH-Wert erniedrigt, weil das Bikarbonat verbraucht oder verloren ist. Der Körper gleicht durch vertiefte Atmung aus, sodass das Kohlendioxid sinkt.
Klinik
Beschwerden: vertiefte, verlangsamte Atmung als Kußmaul-Atmung, Übelkeit, Erbrechen, Verwirrtheit, verminderte Kontraktionskraft des Herzens, Gefäßerweiterung mit Blutdruckabfall und Kaliumanstieg durch Verschiebung aus der Zelle.
Diagnostik
Die Werte: pH unter 7,35, Bikarbonat unter 22 Millimol pro Liter, Basenüberschuss unter minus 2, Kohlendioxidpartialdruck kompensatorisch erniedrigt. Der Ausgleich lässt sich abschätzen: Der erwartete Kohlendioxidwert entspricht dem 1,5-fachen Bikarbonat plus 8, mit einer Spanne von 2 in beide Richtungen — die Winter-Formel. Weicht der gemessene Wert davon ab, liegt zusätzlich eine Atmungsstörung vor.
Therapie
Der entscheidende Schritt ist die Berechnung der Anionenlücke: Natrium minus Chlorid minus Bikarbonat, normal 8 bis 12 Millimol pro Liter. Bei vergrößerter Lücke sind Säuren hinzugekommen — Laktat bei Schock, Sepsis und Mesenterialischämie; Ketonkörper bei Ketoazidose, Hunger und Alkohol; harnpflichtige Säuren bei Nierenversagen; sowie Vergiftungen mit Methanol, Ethylenglykol und Salicylaten sowie die Laktatazidose unter Metformin. Bei normaler Lücke ist Bikarbonat verloren gegangen — durch Durchfall, Fisteln, Ableitungen des Harns in den Darm, Nierentubulusazidosen und Carboanhydrasehemmer. Als Merkhilfe für die vergrößerte Lücke dient die Buchstabenfolge KUSSMAUL für Ketoazidose, Urämie und die übrigen Ursachen.
Merke
Der Merksatz für die Prüfung: Behandelt wird die Ursache, nicht der pH-Wert. Bikarbonat wird nur bei einem pH unter 7,1 bis 7,2 und bei Hyperkaliämie oder Vergiftung gegeben — bei Ketoazidose und Laktatazidose ist es umstritten, weil es die Kaliumverschiebung verstärkt, die Sauerstoffabgabe verschlechtert und im Gewebe zu einer paradoxen Übersäuerung führen kann.