Welche Werte Sie anfordern, was sie bedeuten und was Sie daraus folgern – die Fragen, die nach jeder Patientenvorstellung kommen.
Beispielfrage 1 von 67 · aus der App
Welche Entzündungsparameter kennen Sie?
Antwort
Standard sind CRP, das Blutbild mit Leukozytenzahl und Differenzierung, das Procalcitonin und die Blutkörperchensenkungsgeschwindigkeit. Ergänzend gehen Fieber, Laktat und Blutkulturen in die Beurteilung ein.
Diagnostik
Die Kinetik unterscheidet sie. Leukozyten reagieren innerhalb von Stunden. CRP steigt nach sechs bis zwölf Stunden, hat sein Maximum nach etwa 48 Stunden und eine Halbwertszeit von rund 19 Stunden, eignet sich also gut zur Verlaufskontrolle. Procalcitonin steigt nach drei bis sechs Stunden und ist am ehesten bei schwerer bakterieller Infektion und Sepsis erhöht. Die Blutsenkung ist träge und unspezifisch.
Komplikationen
Keiner dieser Werte unterscheidet zuverlässig bakteriell von viral. Ein Linksverschiebung im Differenzialblutbild und ein hohes Procalcitonin sprechen eher für eine bakterielle Genese. Eine Leukopenie kann bei schwerer Sepsis ein Alarmzeichen sein.
Merke
Am Anfang einer Infektion kann das CRP noch normal sein. Ein einzelner unauffälliger Wert schließt eine bakterielle Infektion nicht aus, entscheidend ist der Verlauf zusammen mit der Klinik.
Beispielfrage 2 von 67 · aus der App
Wie gewinnt man Urinsediment?
Antwort
Durch Zentrifugation von frischem Mittelstrahlurin. Die festen Bestandteile setzen sich als Bodensatz ab und werden mikroskopisch beurteilt.
Klinik
Beurteilt werden: Erythrozyten mit der entscheidenden Frage nach Akanthozyten, also verformten Erythrozyten mit Membranausstülpungen, die für eine glomeruläre Blutung sprechen; Leukozyten als Hinweis auf Infektion oder interstitielle Nephritis; Zylinder — hyaline unspezifisch, Erythrozytenzylinder beweisend für eine Glomerulonephritis, Leukozytenzylinder für eine Pyelonephritis, granulierte und Wachszylinder bei chronischem Schaden; Epithelien, Bakterien, Pilze und Kristalle.
Diagnostik
Vorgehen: etwa 10 Milliliter frischer Mittelstrahlurin, möglichst der zweite Morgenurin, werden 5 Minuten bei rund 1500 bis 2000 Umdrehungen pro Minute zentrifugiert. Der Überstand wird abgegossen, der Bodensatz im verbleibenden Rest aufgeschüttelt, ein Tropfen auf den Objektträger gebracht und mit Deckglas bei 400-facher Vergrößerung im Phasenkontrast beurteilt.
Therapie
Der Urin muss innerhalb von 1 bis 2 Stunden verarbeitet werden. Steht er länger, zerfallen Zylinder und Zellen, Bakterien vermehren sich und der pH steigt — das Ergebnis wird unbrauchbar.
Merke
Der wichtigste Befund ist die Unterscheidung der Blutungsquelle: Akanthozyten über 5 Prozent, Erythrozytenzylinder und begleitende Proteinurie sprechen für eine glomeruläre Ursache und gehören zum Nephrologen. Gleichförmige, unverformte Erythrozyten sprechen für eine postglomeruläre Ursache — Stein, Tumor, Infektion — und gehören zum Urologen.
Beispielfrage 3 von 67 · aus der App
Was ist eine metabolische Azidose?
Definition
Bei der metabolischen Azidose ist der pH-Wert erniedrigt, weil das Bikarbonat verbraucht oder verloren ist. Der Körper gleicht durch vertiefte Atmung aus, sodass das Kohlendioxid sinkt.
Klinik
Beschwerden: vertiefte, verlangsamte Atmung als Kußmaul-Atmung, Übelkeit, Erbrechen, Verwirrtheit, verminderte Kontraktionskraft des Herzens, Gefäßerweiterung mit Blutdruckabfall und Kaliumanstieg durch Verschiebung aus der Zelle.
Diagnostik
Die Werte: pH unter 7,35, Bikarbonat unter 22 Millimol pro Liter, Basenüberschuss unter minus 2, Kohlendioxidpartialdruck kompensatorisch erniedrigt. Der Ausgleich lässt sich abschätzen: Der erwartete Kohlendioxidwert entspricht dem 1,5-fachen Bikarbonat plus 8, mit einer Spanne von 2 in beide Richtungen — die Winter-Formel. Weicht der gemessene Wert davon ab, liegt zusätzlich eine Atmungsstörung vor.
Therapie
Der entscheidende Schritt ist die Berechnung der Anionenlücke: Natrium minus Chlorid minus Bikarbonat, normal 8 bis 12 Millimol pro Liter. Bei vergrößerter Lücke sind Säuren hinzugekommen — Laktat bei Schock, Sepsis und Mesenterialischämie; Ketonkörper bei Ketoazidose, Hunger und Alkohol; harnpflichtige Säuren bei Nierenversagen; sowie Vergiftungen mit Methanol, Ethylenglykol und Salicylaten sowie die Laktatazidose unter Metformin. Bei normaler Lücke ist Bikarbonat verloren gegangen — durch Durchfall, Fisteln, Ableitungen des Harns in den Darm, Nierentubulusazidosen und Carboanhydrasehemmer. Als Merkhilfe für die vergrößerte Lücke dient die Buchstabenfolge KUSSMAUL für Ketoazidose, Urämie und die übrigen Ursachen.
Merke
Der Merksatz für die Prüfung: Behandelt wird die Ursache, nicht der pH-Wert. Bikarbonat wird nur bei einem pH unter 7,1 bis 7,2 und bei Hyperkaliämie oder Vergiftung gegeben — bei Ketoazidose und Laktatazidose ist es umstritten, weil es die Kaliumverschiebung verstärkt, die Sauerstoffabgabe verschlechtert und im Gewebe zu einer paradoxen Übersäuerung führen kann.