Antwort
Bei Patienten mit chronischer Kohlendioxidretention kann unkontrollierte Sauerstoffgabe zur Verschlechterung der Kohlendioxidretention bis zur Kohlendioxidnarkose führen. Deshalb wird der Sauerstoff gezielt dosiert.
Klinik
Die Mechanismen: Erstens wird bei chronischer Hyperkapnie das Atemzentrum unempfindlich gegenüber Kohlendioxid; der Atemantrieb kommt dann teilweise über die Sauerstoffsensoren, und hoher Sauerstoff dämpft ihn — dieser klassische Erklärungsansatz erklärt allerdings nur einen kleineren Teil. Zweitens und wichtiger hebt Sauerstoff die hypoxische pulmonale Vasokonstriktion auf, den Euler-Liljestrand-Mechanismus. Schlecht belüftete Lungenbezirke werden dann wieder durchblutet, das Verhältnis von Belüftung zu Durchblutung verschlechtert sich und der Totraum nimmt zu. Drittens gibt Hämoglobin bei hoher Sauerstoffsättigung weniger Kohlendioxid ab — der Haldane-Effekt.
Therapie
Praktisch: Zielsättigung bei Patienten mit Risiko für Hyperkapnie 88 bis 92 Prozent, sonst 94 bis 98. Kontrollierte Gabe über Venturi-Maske oder Nasenbrille mit 1 bis 2 Litern pro Minute. Blutgasanalyse nach 30 bis 60 Minuten. Bei ansteigendem Kohlendioxid mit Azidose ist die nicht invasive Beatmung die richtige Antwort — nicht der Verzicht auf Sauerstoff.
Komplikationen
Zeichen der Kohlendioxidnarkose: zunehmende Schläfrigkeit, Verwirrtheit, Kopfschmerz, warme Haut, Muskelzuckungen mit flatterndem Tremor, schließlich Bewusstlosigkeit.
Merke
Der entscheidende Satz für die Prüfung: Sauerstoff wird nie vorenthalten. Hypoxie tötet in Minuten, Hyperkapnie in Stunden. Man dosiert kontrolliert und kontrolliert die Blutgase — aber ein zyanotischer Patient bekommt Sauerstoff.