Kenntnisprüfung Niedersachsen: Pneumologie
Beispielfragen mit Antworten

Pneumonie, COPD, Asthma, Lungenembolie und Pneumothorax sind Dauerthemen – oft als Fall, der mit Atemnot beginnt und bei der Thoraxdrainage endet.

So üben Sie damit: Frage lesen, laut antworten – erst dann die Antwort lesen und vergleichen. Die Kenntnisprüfung ist ein Gespräch, kein Ankreuztest.

Beispielfrage 1 von 250 · aus der App

Was ist ein Spannungspneumothorax?

Definition

Pneumothorax mit Ventilmechanismus: Bei jeder Inspiration gelangt Luft in den Pleuraspalt, kann aber nicht mehr entweichen. Der intrapleurale Druck steigt fortlaufend an.

Ätiologie

Traumatisch bei Rippenserienfraktur oder penetrierender Thoraxverletzung, iatrogen nach Anlage eines zentralen Venenkatheters oder nach Pleurapunktion, unter Überdruckbeatmung, selten aus einem Spontanpneumothorax heraus.

Klinik

Akute Dyspnoe und Thoraxschmerz, Tachykardie, Hypotonie. Einseitig aufgehobenes Atemgeräusch, hypersonorer Klopfschall, gestaute Halsvenen, Trachealverlagerung zur Gegenseite.

Diagnostik

Klinische Blickdiagnose. Die Sonographie zeigt ein fehlendes Pleuragleiten. Ein Röntgenbild nur beim kreislaufstabilen Patienten.

Therapie

Sofortige Entlastungspunktion mit großlumiger Kanüle, im 2. Interkostalraum medioklavikulär nach Monaldi oder im 4. bis 5. Interkostalraum in der vorderen Axillarlinie nach Bülau. Anschließend immer definitive Thoraxdrainage.

Komplikationen

Mediastinalverlagerung mit Abknicken der großen Venen, Abfall des venösen Rückstroms, obstruktiver Schock und Herz-Kreislauf-Stillstand.

Merke

Beim instabilen Patienten wird punktiert, nicht geröntgt.

Beispielfrage 2 von 250 · aus der App

Was ist der Unterschied zwischen Asthma und COPD?

Definition

Beide sind obstruktive Atemwegserkrankungen, unterscheiden sich aber in Ursache, Reversibilität und Verlauf. Asthma ist eine chronisch entzündliche Erkrankung mit anfallsweiser, weitgehend reversibler Bronchialobstruktion. Die COPD ist eine dauerhafte, nur teilreversible Obstruktion, die fortschreitet.

Ätiologie

Asthma beginnt meist im Kindes- oder Jugendalter, oft allergisch, mit positiver Familien- und Atopieanamnese. Die COPD entsteht typischerweise jenseits des 40. Lebensjahres, in Deutschland weit überwiegend durch Rauchen, seltener durch berufliche Stäube oder einen Alpha-1-Antitrypsin-Mangel.

Klinik

Beim Asthma anfallsweise Luftnot mit beschwerdefreien Intervallen, oft nachts und in den frühen Morgenstunden, ausgelöst durch Allergene, Infekte oder Kälte. Bei der COPD Belastungsdyspnoe mit langsamer Zunahme über Jahre, chronischer Husten und Auswurf.

Diagnostik

Entscheidend ist die Spirometrie mit Bronchospasmolysetest. Ein Anstieg der Einsekundenkapazität um mindestens 12 Prozent und 200 Milliliter nach Salbutamol spricht für Asthma. Bleibt der Tiffeneau-Index nach Bronchodilatation unter 0,7, liegt eine COPD vor. Beim Asthma finden sich häufig Eosinophilie und erhöhtes IgE.

Therapie

Asthma: inhalatives Kortikosteroid als Basis, kombiniert mit einem lang wirksamen Beta-2-Sympathomimetikum. Die COPD wird primär bronchodilatatorisch mit lang wirksamen Anticholinergika und Beta-2-Sympathomimetika behandelt; inhalative Steroide nur bei häufigen Exazerbationen oder Eosinophilie. Rauchstopp ist die einzige Maßnahme, die den Verlauf der COPD bremst.

Merke

Asthma ist variabel und reversibel, die COPD ist konstant und progredient. Der entscheidende Test ist die Reversibilität nach Bronchodilatation.

Beispielfrage 3 von 250 · aus der App

Was sind Ursachen der Lungenembolie?

Antwort

In etwa 90 Prozent stammt der Embolus aus einer tiefen Bein- oder Beckenvenenthrombose, die sich löst und über die rechte Herzhälfte in die Lungenstrombahn gelangt.

Ätiologie

Die Entstehung folgt der Virchow-Trias. Endothelschaden durch Operation, Trauma oder Katheter; Stase durch Immobilisation, Gips, lange Reisen, Bettlägerigkeit, Herzinsuffizienz; Hyperkoagulabilität bei Malignom, Schwangerschaft und Wochenbett, oralen Kontrazeptiva, Exsikkose, Sepsis sowie angeborenen Thrombophilien wie Faktor-V-Leiden oder Antithrombinmangel.

Klinik

Seltenere Quellen sind Thrombosen der Armvenen bei zentralem Venenkatheter oder Schrittmachersonden sowie Thromben im rechten Vorhof. Nicht thrombotische Embolien: Fettembolie nach Fraktur langer Röhrenknochen, Luftembolie bei Gefäßverletzung oder Katheteranlage, Fruchtwasserembolie unter der Geburt, Tumorzell- und septische Embolie bei Rechtsherzendokarditis.

Diagnostik

Wells-Score zur Vortestwahrscheinlichkeit, D-Dimere zum Ausschluss bei niedriger Wahrscheinlichkeit, CT-Pulmonalisangiographie zur Sicherung. Ergänzend Duplexsonographie der Beinvenen und Echokardiographie zur Rechtsherzbelastung.

Merke

Bei einer Lungenembolie ohne erkennbaren Auslöser muss nach einem Malignom und nach einer Thrombophilie gesucht werden. Etwa die Hälfte der Patienten mit tiefer Beinvenenthrombose hat bereits stumme Lungenembolien.

Beispielfrage 4 von 250 · aus der App

Warum kann Sauerstoff-Gabe bei Patienten mit COPD gefährlich sein?

Antwort

Bei Patienten mit chronischer Kohlendioxidretention kann unkontrollierte Sauerstoffgabe zur Verschlechterung der Kohlendioxidretention bis zur Kohlendioxidnarkose führen. Deshalb wird der Sauerstoff gezielt dosiert.

Klinik

Die Mechanismen: Erstens wird bei chronischer Hyperkapnie das Atemzentrum unempfindlich gegenüber Kohlendioxid; der Atemantrieb kommt dann teilweise über die Sauerstoffsensoren, und hoher Sauerstoff dämpft ihn — dieser klassische Erklärungsansatz erklärt allerdings nur einen kleineren Teil. Zweitens und wichtiger hebt Sauerstoff die hypoxische pulmonale Vasokonstriktion auf, den Euler-Liljestrand-Mechanismus. Schlecht belüftete Lungenbezirke werden dann wieder durchblutet, das Verhältnis von Belüftung zu Durchblutung verschlechtert sich und der Totraum nimmt zu. Drittens gibt Hämoglobin bei hoher Sauerstoffsättigung weniger Kohlendioxid ab — der Haldane-Effekt.

Therapie

Praktisch: Zielsättigung bei Patienten mit Risiko für Hyperkapnie 88 bis 92 Prozent, sonst 94 bis 98. Kontrollierte Gabe über Venturi-Maske oder Nasenbrille mit 1 bis 2 Litern pro Minute. Blutgasanalyse nach 30 bis 60 Minuten. Bei ansteigendem Kohlendioxid mit Azidose ist die nicht invasive Beatmung die richtige Antwort — nicht der Verzicht auf Sauerstoff.

Komplikationen

Zeichen der Kohlendioxidnarkose: zunehmende Schläfrigkeit, Verwirrtheit, Kopfschmerz, warme Haut, Muskelzuckungen mit flatterndem Tremor, schließlich Bewusstlosigkeit.

Merke

Der entscheidende Satz für die Prüfung: Sauerstoff wird nie vorenthalten. Hypoxie tötet in Minuten, Hyperkapnie in Stunden. Man dosiert kontrolliert und kontrolliert die Blutgase — aber ein zyanotischer Patient bekommt Sauerstoff.

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