Tiefe Venenthrombose, pAVK, Aortenaneurysma und Antikoagulation: Themen, die in der Prüfung aus der Chirurgie wie aus der Inneren Medizin gestellt werden.
Beispielfrage 1 von 109 · aus der App
Wie wirkt Heparin?
Antwort
Heparin wirkt indirekt. Es bindet an Antithrombin und beschleunigt dessen hemmende Wirkung auf die aktivierten Gerinnungsfaktoren um ein Vielfaches. Unfraktioniertes Heparin ist langkettig genug, um Antithrombin und Thrombin gleichzeitig zu binden, und hemmt deshalb Thrombin, also Faktor IIa, und Faktor Xa etwa gleich stark. Niedermolekulares Heparin ist zu kurz für diese Brückenbildung und hemmt überwiegend Faktor Xa.
Diagnostik
Unfraktioniertes Heparin wird über die aktivierte partielle Thromboplastinzeit gesteuert, Ziel ist das Eineinhalb- bis Zweieinhalbfache der Norm. Niedermolekulares Heparin wird in der Regel nicht überwacht; bei Niereninsuffizienz, Schwangerschaft oder extremem Körpergewicht kann die Anti-Faktor-Xa-Aktivität bestimmt werden.
Komplikationen
Blutung, heparininduzierte Thrombozytopenie Typ II, bei Langzeitgabe Osteoporose. Niedermolekulares Heparin kumuliert bei Niereninsuffizienz.
Merke
Ohne Antithrombin wirkt Heparin nicht. Antidot ist Protaminsulfat, das unfraktioniertes Heparin vollständig, niedermolekulares nur teilweise antagonisiert.
Beispielfrage 2 von 109 · aus der App
Was ist der Unterschied zwischen Thrombus und Embolus?
Antwort
Der Unterschied ist die Ortsfestigkeit. Ein Thrombus ist ein Gerinnsel, das an seinem Entstehungsort in Gefäß oder Herz haftet. Ein Embolus ist ein Gebilde, das mit dem Blutstrom verschleppt wird und ein Gefäß an anderer Stelle verlegt.
Ätiologie
Der häufigste Embolus ist ein losgelöster Thrombus, dann spricht man von einer Thromboembolie. Es gibt aber auch nicht thrombotische Emboli: Fett nach Frakturen langer Röhrenknochen, Luft bei Gefäßverletzung oder Katheteranlage, Fruchtwasser unter der Geburt, Tumorzellen, septische Vegetationen bei Endokarditis und Fremdkörper.
Klinik
Der Zielort folgt der Strömungsrichtung. Thromben aus den tiefen Beinvenen gelangen über die rechte Herzhälfte in die Lunge und verursachen eine Lungenembolie. Thromben aus dem linken Vorhof bei Vorhofflimmern oder aus der Aorta gehen in den Körperkreislauf und verursachen Schlaganfall, Mesenterial- oder Extremitätenischämie.
Merke
Bei offenem Foramen ovale kann ein venöser Thrombus in den arteriellen Kreislauf übertreten. Das ist die gekreuzte oder paradoxe Embolie und erklärt Schlaganfälle bei jungen Patienten.
Beispielfrage 3 von 109 · aus der App
Was ist die Virchow-Trias?
Definition
Die drei Bedingungen, unter denen sich ein Thrombus bildet: Schädigung der Gefäßwand, verlangsamter oder verwirbelter Blutfluss und erhöhte Gerinnungsneigung des Bluts.
Ätiologie
Endothelschaden durch Trauma, Operation, Katheter, Entzündung oder Rauchen. Stase durch Immobilisation, Gips, lange Flüge, Bettlägerigkeit, Herzinsuffizienz oder Varikosis. Hyperkoagulabilität bei Malignom, Schwangerschaft und Wochenbett, oralen Kontrazeptiva, Exsikkose, Sepsis sowie angeborenen Thrombophilien wie Faktor-V-Leiden, Protein-C- und Protein-S-Mangel oder Antithrombinmangel.
Therapie
Die Prophylaxe setzt an allen drei Punkten an: Frühmobilisation und Kompressionsstrümpfe gegen die Stase, ausreichende Flüssigkeitszufuhr, niedermolekulares Heparin gegen die Hyperkoagulabilität.
Merke
Für jeden Thrombosepatienten sollte man alle drei Faktoren durchgehen. Bei einer Thrombose ohne erkennbaren Auslöser muss an ein okkultes Malignom gedacht werden.