Kenntnisprüfung Niedersachsen · Allgemeinmedizin und Grundlagen · Beispielfrage aus der App

Warum sind viszerale Schmerzen schlecht lokalisierbar?

Eine typische Prüfungsfrage aus dem Fachgebiet Allgemeinmedizin und Grundlagen – beantwortet so, wie man es am Prüfungstisch der mündlichen Kenntnisprüfung sagt: gegliedert, mit den Zahlen und Begriffen, auf die es ankommt. Lesen Sie die Frage, antworten Sie laut, und vergleichen Sie erst dann.

Antwort

Dafür gibt es drei Gründe. Erstens ist die Nozizeptorendichte in den Eingeweiden weit geringer als in der Haut, das rezeptive Feld eines einzelnen Neurons entsprechend groß. Zweitens werden die viszeralen Afferenzen über sympathische Bahnen auf mehrere Rückenmarkssegmente verteilt, statt segmental scharf zugeordnet zu sein. Drittens konvergieren viszerale und somatische Afferenzen im Hinterhorn auf dieselben Zweitneurone.

Klinik

Diese Konvergenz erklärt den Übertragungsschmerz: Das Gehirn kann die Herkunft nicht unterscheiden und ordnet die Erregung dem häufiger gereizten Hautgebiet zu, dem zugehörigen Head-Zone-Dermatom. Deshalb strahlt der Gallenblasenschmerz in die rechte Schulter, der Herzinfarkt in den linken Arm, der Zwerchfellreiz in die Schulter und die Nierenkolik in Leiste und Hoden aus.

Merke

Sobald das parietale Peritoneum mitbeteiligt ist, wird der Schmerz somatisch: scharf, gut lokalisiert und bewegungsabhängig. Genau dieser Umschlag markiert bei der Appendizitis die Verlagerung vom Nabel in den rechten Unterbauch.

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